1953
An einem Freitag im Juli war der Tag, an dem ich das Licht des Lebens zum ersten Mal sah. Die Geburt war sicher nicht einfach, ich kam als ein wahrer Wonneproppen zur Welt. Es war Hochsommer die Welt hätte mich mit einer strahlenden Sonne empfangen können, und sie hätte mir zeigen können, dass mein späteres Leben ein schönes und friedvolles sein würde. Ich wäre dementsprechend ein, liebes und sonniges Kind geworden.
Doch am Tag meiner Geburt versteckte sich die Sonne ein wenig verschämt hinter den Wolken. Die Wolken weinten auf eine sanfte Art und Weise, wie es nur an einem sommerlichen Tag möglich ist. In der Ferne schimmerte ein Regenbogen, und hätte ich ihn sehen können, hätte seine Farbenpracht mich sicher erfreut. Doch ich lag noch friedlich in den Armen meiner Mutter und nahm davon nichts wahr.
Selbst das Wetter schien zu wissen, was mich noch alles in meinem späteren Leben erwarten würde: Glück, Liebe, Trauer und Schmerz. Ein einfaches, normales Leben. Vielleicht ein wenig zu viel Glück und viel Liebe. Das Prinzip von Glück war so normal, dass ich es gar nicht wahrnehmen konnte. Wenn nur die Sonne scheint, kann man die Nacht nicht erkennen. Die Liebe war wie die Nacht, die ich nicht sehen konnte. Ich wusste zwar vom Verstand her, dass ich geliebt wurde, aber mein Gefühl war sich sicher, dass ich nicht geliebt werden konnte. Und wenn alles nichts half, sorgte ich dafür, dass mein Gefühl recht bekam.
Das waren dann die Momente von Trauer und Schmerz. Die Geburt ist ein Schlüsselerlebnis, schließlich ist es der Moment, in dem für uns das Leben beginnt und wir erste Prägungen erfahren. Da ich mich nicht selbst an meine Geburt erinnern kann, kann ich nur das weitergeben, was mir später berichtet wurde. Mein Vater war nicht wirklich begeistert von der Aussicht, dass ich geboren werden sollte. Er versuchte meine Mutter zu überzeugen, mich abzutreiben. Vielleicht fand er drei Kinder genug. Möglicherweise war er sich nicht sicher, ob ich auch wirklich sein Kind war. Meine Mutter war eine lebenslustige Frau mit einem Lachen auf den Lippen, und das ist sicher etwas, was ich von ihr geerbt habe.
Man könnte weiter spekulieren, doch das wären nur Mutmaßungen. So wie die Frage, warum meine Mutter trotz aller Einwände meines Vaters darauf bestand, mich zur Welt zu bringen. Vielleicht war es einfach konventionelles Denken, oder der Mutterinstinkt. Wichtig ist, dass ich auf diese Welt kam – mit all ihren Herausforderungen.
Das erste große Ereignis war meine Taufe, die ich glänzend bestand. Ich hatte es bis in die Kirche geschafft und lag in den Armen meiner Mutter, während mein Vater daneben stand. Als der Pfarrer fragte, auf welchen Namen ich getauft werden sollte, sagte mein Vater, es werde der Name „Lutz“ sein. Der Pfarrer war einen Moment irritiert und dann entsetzt. Auf diesen Namen könne er mich nicht taufen, erklärte er, Lutz sei schließlich die Abkürzung von „Luzifer“. Er fragte, ob es nicht möglich wäre, einen anderen Namen zu wählen.
Mein Vater nahm mich daraufhin in seine Arme und erklärte, dass dies der einzige und richtige Name für mich sei. Beide verließen daraufhin die Kirche, und jeder machte sich wohl seine eigenen Gedanken dazu. Für mich war das kein Problem. In den Himmel zu kommen, hielt ich ohnehin für unwahrscheinlich, denn schließlich sollen nur 144.000 Auserwählte dorthin gelangen, und ich vermute, diese Plätze sind in den letzten zweitausend Jahren bereits vergeben worden. Sollte ich in die Hölle kommen, hätte ich dort zumindest einen Namensvetter – was vorteilhaft sein könnte.
Im Laufe der Gespräche zwischen meinen Eltern kamen sie wohl zu dem Ergebnis, dass meine Mutter mich behalten durfte, aber sie einigten sich darauf, dass sie mich ignorieren sollte. Kein Trösten, wenn ich weinte, kein liebevolles Streicheln über den Kopf, wenn ich Trost suchte – sowohl nach meiner Geburt als auch in meinem späteren Leben. Ich war da, aber dennoch so fern in meiner Familie. Es gab keine Sicherheit, und so war ich von meiner Geburt an von Angst durchdrungen.
Meinem Gefühl nach kann ich sicher sagen, dass es meinem Vater gut gelang, meine Mutter zu überzeugen. So wie bei meiner Taufe. Meine Mutter bemühte sich, dieser Absprache nachzukommen, auch wenn es ihr nicht immer gelang. Fünfzig Jahre später, als sie mir das alles erzählte, gab sie zu, dass sie immer darunter gelitten habe, aber nicht wusste, was sie tun konnte oder sollte.
Es waren die 1950er Jahre – eine Zeit, in der Frauen, die kurz zuvor noch in den Fabriken gearbeitet hatten, plötzlich nichts mehr wert waren. Ein eigenes Konto zu haben, war nicht erlaubt, und wenn sie arbeiten wollten, brauchten sie die Zustimmung ihres Ehemanns. Heute reden wir oft über die Rolle der Frau in anderen Kulturkreisen und fühlen uns erhaben, aber damals war es in Deutschland nicht viel besser.
Das Nicht-geliebt-Werden hatte natürlich Folgen für mich, und es dauerte Jahrzehnte, bis mir diese Folgen bewusstwurden. Glücklicherweise wusste ich damals von all dem nichts, und so konnte ich mein Leben unbeschwert beginnen. Denn wenn man von Geburt an nicht geliebt wird, erscheint das einfach als die normalste Sache der Welt. Erst viel später, als ich bei anderen Menschen sah, dass es auch anders ging, verwunderte ich mich und begann allmählich zu spüren, was mir fehlte. Ein Prozess, der Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, dauerte.
Ein anderes Gefühl war jedoch schon früh präsent: Angst. Nicht die Art von Angst, die man hat, wenn man etwas angestellt hat und Angst vor Bestrafung haben könnte. Meine Angst war wie ein Damoklesschwert, das ständig über mir schwebte. Selbst in Momenten, in denen ich sicher war, nichts falsch gemacht zu haben, war dieses Gefühl da. Mein Vater verstand es auf subtile Weise, diese Gefühl zu nähren. Ihm half dabei die Überzeugung, dass ich sowieso immer alles falsch machte und nichts konnte.
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Als ich etwa zehn oder elf Jahre alt war, sprang ich vom Zehn-Meter-Turm ins Schwimmbecken. Eine Leistung? Nicht für meinen Vater. Dass ich nicht schwimmen konnte, war für ihn eher dumm als beeindruckend. Er fand es nicht einmal erwähnenswert, mir zu raten, vielleicht erst einmal schwimmen zu lernen, bevor ich vom Zehn-Meter-Turm sprang. Es war ihm wohl egal, was mit mir passierte.
Bad Cannstatt – wie der Name schon andeutet, war es ein Kurort mit einer gut erhaltenen Altstadt, einem schönen Kurhaus und zahlreichen Brunnen, aus denen Mineralwasser floss. Dieses Wasser konnte man auch im Kurhaus trinken oder zum Baden nutzen. Schon die Römer schätzten das Mineralwasser und hinterließen Überreste von Bädern, die noch heute zu sehen sind. Entstanden war die römische Siedlung durch das Kastell im heutigen Hallschlag. Doch wie so oft im Leben wohnten wir in einem schönen Ort, aber im falschen Viertel – dem Hallschlag. In meiner Zeit und auch heute noch galt dieser als sozialer Brennpunkt und hatte nicht mehr die Kultur und Badefreuden vergangener Zeiten.
Sozialer Brennpunkt bedeutete jedoch nicht, dass die Menschen im Hallschlag asozial waren – sie waren einfach nur arm. Menschen, die aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkamen und sich in der neuen Ordnung zurechtfinden mussten. Das sorgte immer wieder für soziale Konflikte. In diesem Stadtviertel verbrachte ich die ersten Jahre meines Lebens. Meine Eltern wohnten in einer kleinen Wohnung im vierten Stock. Zwei Zimmer, eine kleine Küche, aber immerhin hatten wir eine Toilette in der Wohnung. Am Wochenende war dann Waschtag für die Kinder. Eine kleine Zinkbadewanne wurde auf den Tisch gestellt, meine Mutter kochte Wasser, und während wir nacheinander in die Wanne gesetzt wurden, schüttete sie immer wieder heißes Wasser nach. Da ich als Letzter dran war, passte nicht mehr viel Wasser hinein, und es war eher erfrischend als warm. Dass das Wasser nach zwei weiteren Kindern nicht mehr sauber war, muss ich sicher nicht extra erwähnen. Aber ich sah keinen Grund zu klagen, schließlich war ich dafür noch zu jung.
Ich klagte ohnehin nie zu Hause. Zwar weinte ich ab und zu, aber klagen kam mir nicht in den Sinn. Wer klagt, fällt auf, und ich war lieber unsichtbar. Meine Mutter brachte mich aus dem Krankenhaus nach Hause, wo mein Vater und meine drei Brüder bereits auf mich warteten – zumindest nehme ich das an. Mein ältester Bruder war inzwischen drei Jahre alt, die Zwillinge kurz vor ihrem zweiten Geburtstag. Mein ältester Bruder mag sich vielleicht etwas dabei gedacht haben, als ich heimkam, aber bei den Zwillingen bezweifle ich das. Mein Vater hingegen wird wohl eher eine finstere Miene aufgesetzt haben und den Tag verflucht haben, an dem ich geboren wurde.
Mein eigentliches Problem war, dass ich dem schützenden Mutterleib entrissen worden war und Hunger hatte. Noch ahnte ich nicht, dass dieser Hunger mich auch in späteren Jahren begleiten würde. Zwei Erwachsene und drei Kinder in einer kleinen Wohnung, und im Winter mussten wir einmal am Tag in den Keller, um Kohlen zu holen, die nötig waren, um den einzigen Ofen in der Küche zu betreiben.
Mein Vater war nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Er hatte schnell meine Mutter geheiratet, obwohl er schwer kriegsbeschädigt war und sich auch noch eine Tuberkulose zugezogen hatte. Für ihn war es sicher nicht einfach. Er hatte seine Kriegsgefangenschaft in Frankreich verbracht – besser als in Sibirien, da er rechtzeitig von der Ostfront zurückgezogen wurde und so in den Weinbergen Frankreichs landete. Mit 18 musste er zur Wehrmacht, zuvor hatte er eine Ausbildung als Buchbinder abgeschlossen. Über seine Kindheit weiß ich nichts, denn er erzählte nie davon, und ich hatte nicht das Vergnügen, seine Eltern kennenzulernen.
Auch die Eltern meiner Mutter habe ich nie kennengelernt. Sie wurde unehelich geboren und kam bereits als Baby zu einer Pflegefamilie, während ihre Mutter in ein Irrenhaus abgeschoben wurde – damals eine übliche Praxis. Ein uneheliches Kind zu haben, galt als „krankhaft“, und so landeten Frauen in Heimen. Der Vater von meiner Mutter wurde selbstverständlich nicht in eine Anstalt gesteckt. Er hatte sich schnell aus dem Staube gemacht und hatte schließlich keine Verantwortung für das Kind von ihm.
In ihrer Pflegefamilie wurde meine Mutter nicht als Kind, sondern als Dienstmädchen behandelt. Sie war froh, als ein großer, stattlicher Mann (mein Vater) kam, der sie aus dieser Situation rettete und heiratete.
Meine Mutter war nicht gesund – sie litt an Herzproblemen. Dies führte dazu, dass ich von meinen drei Brüdern nur zwei kannte und den dritten erst kennenlernte, als ich 17 war. Kurz nach meiner Geburt kam mein Vater aufgrund seiner Krankheit ins Krankenhaus, und meine Mutter war mit vier kleinen Kindern überfordert. So entschieden meine Eltern, die Zwillinge vorübergehend zu einer Pflegefamilie zu geben, mit der Absicht, sie später zurückzuholen. Als es meinem Vater besser ging und sie die Zwillinge abholen wollten, weigerte sich die Pflegefamilie die Kinder zurückzugeben. Sie hatten die Zwillinge in der Zeit liebgewonnen. Meine Eltern waren damals so überfordert, dass sie sich schließlich darauf einigten, dass jeder ein Kind behält. So wuchs ich mit zwei Brüdern auf, hatte aber eigentlich drei.
Wir lebten in einer sozial schwierigen Gegend und unter beengten Verhältnissen, daher war es für meine Eltern kein Problem, wenn wir Kinder bis spät abends draußen spielten. Besonders erinnere ich mich an den Tag, an dem andere Kinder mit Laternen durch die Straßen zogen, während wir mit ausgehöhlten Kürbissen unterwegs waren. Wir hatten uns erlaubt, ein paar Kürbisse von einem nahegelegenen Feld zu „leihen“. Sie wurden mit Kerzen beleuchtet und bekamen gruselige Gesichter – wahre Kunstwerke.
1957
Während wir stolz mit unseren Kürbissen herumliefen, kam eine Gruppe älterer Kinder auf uns zu und verlangte, dass wir unsere Kürbisse abgeben. Unser erster Impuls war natürlich, nicht nachzugeben, aber zum Glück war mein ältester Bruder klug genug, einen schnellen Rückzug zu organisieren. Wir ließen die Kürbisse zurück und liefen weg. Obwohl wir die Kürbisse gestohlen hatten, fühlte ich mich dennoch gedemütigt. Das war der Anfang meiner kurzen „kriminellen“ Karriere, die ich mit 15 beendete – obwohl ich ziemlich gut darin war. Die Monate in Untersuchungshaft hatten nichts damit zu tun, sondern es war einfach nicht mehr nötig.
1958
Doch ich greife vor.
Mit 5 wollte ich auch in die Schule, meine Brüder gingen bereits in die Schule, und dadurch sah ich die Schule als etwas Erstrebenswertes an. Ich war noch jung und wusste nicht besser. Also entschloss ich mich, eines Tages, meinem Bruder Peter zu folgen als er auf dem Weg zur Schule war. Es half nicht, dass er mich zurückschickte. Es half auch nicht, dass er schneller lief, denn jetzt war ich gezwungen, ihm heimlich zu folgen.
Dann kam die blöde Straße. Er war schon auf der anderen Seite, und ich musste mich beeilen, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren.
Also wachte ich im Krankenhaus wieder auf. Der Fahrer hatte wohl das Problem, sich zwischen einer grünen Ampel und einem Kind zu entscheiden.
Er besuchte mich noch im Krankenhaus. Im Gegensatz zu meinem Vater. Das gab mir zumindest die Gelegenheit, mich für mein Fehlverhalten zu entschuldigen. Schon als Kind war ich äußerst höflich, und er hatte mir schließlich eine gute Zeit geschenkt. Was sicher weder ihm noch mir zu diesem Zeitpunkt bewusst war.
Meine Angst war schließlich eine Konstante und nicht so sehr ein bewusstes Gefühl, das einen überkam. Ein gemütliches Bett, regelmäßig zu essen und lauter freundliche Krankenschwestern zu haben, war einfach schön. Ein kurzer Moment, angstfrei zu leben. Oder vereinfacht gesagt: Ich war nicht zu Hause, und auch der Besuch meines Vaters blieb mir erspart.
Als Rentner hatte er sicher auch keine Zeit. Aus dem Krieg zurückgekommen, bekam er als Schwerkriegsbeschädigter eine Rente, und seine TBC war sicher auch ein Folgeschaden aus dem Krieg. Nicht, dass man etwas davon sehen konnte. Ein Armschuss, ein Rückenschuss und nicht zu vergessen ein Kopfschuss. Doch er war ein großer, kräftiger Mann, dem man all das nicht ansah.
Ein paar Beispiele aus meiner Kindheit und Jugend können vielleicht aufzeigen, dass meine Ängste sicher nicht vermindert wurden.
Geburtstage wurden regelmäßig gestrichen. Irgendwie hatte ich immer etwas angestellt, das Anlass gab, meinen Geburtstag zu streichen. Dasselbe galt natürlich auch für die anderen Festtage des Jahres. Diese wurden schon ab und zu gefeiert. Schließlich war ich nicht das einzige Kind in der Familie und aus irgendwelchen Gründen gab es diese Feiern schon. Wobei es schon passieren konnte das ich als einziger keine Geschenke bekam. Ich weiß nicht, ob die sogenannten Untaten normal für mein Alter waren oder einfach nur ein Grund, eine Strafe daraus zu machen. Auf diesem Grund habe ich heute wohl nicht mehr so viel mit diesen Tagen zu tun.
1962
Es gab dann diesen Tag, meine Eltern waren ausgegangen und ich wollte meiner Mutter eine Freude machen. Ich war noch klein, gerade 9 Jahre alt, kam mit meiner Nasenspitze gerade auf die Höhe der Anrichte. Also fing ich an, die Küche zu putzen. Ich war stolz auf das Ergebnis. Als meine Eltern zurückkamen war das Erste, was ich von meinem Vater zu hören bekam: „Der Herd ist nicht sauber.“ „Mach den erst einmal sauber, wenn du etwas beweisen willst.“
Um dies wirklich gut machen zu können, hätte ich eigentlich 10 cm größer sein müssen um eine gute Übersicht über die Anrichte und den Herd zu haben, oder mich auf einen Stuhl stellen. Das hatte ich leider versäumt.
Normal hätte das eigentlich eine völlig normale Erziehungsmaßnahme sein können. Ein Vater erwartet von seinem Sohn, dass er, wenn er mit etwas anfängt, dies auch ordentlich zum Ende bringt.
Für mich war es einfach eine Enttäuschung und diese führte zu einer Trotzreaktion. Den Tränen nahe weigerte ich mich. Meine Mutter versuchte noch zu intervenieren. Ohne Erfolg.
Damit fing der Machtkampf an – zwischen einem erwachsenen Mann und einem Kind von 9 Jahren. Nachdem ich mich noch ein paar Mal geweigert hatte, kam mein Vater auf die glorreiche Idee, mir zu drohen, dass er meinen Hamster aus dem Fenster werfen würde, wenn ich den Herd nicht sauber mache.
Heute würde ich es vielleicht anders machen, aber damals blieb ich bei meiner Weigerung. Dies Mischung aus Wut, Enttäuschung und Trotz ließen es mir einfach nicht zu, eine andere Entscheidung zu fällen.
Also flog der Hamster aus dem Fenster. Vielleicht war es für meinen geliebten Hamster Glück, dass die Wohnung meiner Eltern im Erdgeschoss lag. Es war Frühjahr und hinter unserem Haus war eine große Rasenfläche Wo sich Fuchs, (nicht so gut) und Hase sich eine gute Nacht gewünscht hatten. Er könnte es überlebt haben.
Ich hatte die Schlacht zwar gewonnen, aber den Krieg nicht beendet.
Bis zu meinem 15. Lebensjahr habe ich ins Bett gemacht. Kann passieren, und es gibt sicher eine gute Erklärung dafür. Für einen Psychologen oder eine Psychologin sicher auch zwei, drei oder mehr. Vielleicht war es der Wunsch, zurück in den Mutterleib zu kommen, wo es nass, warm und sicher war. Für mich waren meine Jahre bei meinem Vater eine Zeit der Bestrafung. Ins Bett gemacht zu haben bedeutete für mich, den Tag nichts zu essen zu bekommen. Morgens kam meine Mutter um zu sehen ob ich wieder ins Bett gemacht hatte. Ab und zu kam mein Vater dazu. Er war der Meinung das ich das mit Absicht mache und das ich es lernen sollte damit aufzuhören. Also musste ich den Tag im Zimmer bleiben und bekam nichts zu essen. Meine Mutter brachte mir dann heimlich ein Stück trockenes Brot und Wasser konnte ich auf der Toilette trinken. Das war dann immer ein kleines Geheimnis zwischen mir und meiner Mutter. All das passierte nicht jeden Tag, denn dann wäre ich sicher verhungert und könnte das hier nicht schreiben. Aber diese konstante Drohung war ein Teil meines Lebens.
Apropos Essen. Es gab auch noch die kleinen Spitzen. Irgendwann fand mein Vater eine Pfanne mit Bratkartoffeln im Herd. Scheinbar waren die lange genug im Herd gewesen, um ordentlich Schimmel anzusetzen. Er kam schnell zu dem Ergebnis, dass es meine Schuld war, und er war außerdem der Meinung, dass Lebensmittel nicht einfach weggeworfen werden sollten.
Also setzte er sich zu mir, wollte dabei sein während er mich zwang sie aufzuessen. Wahrscheinlich fürchtete er, dass ich die Bratkartoffeln an den Hund verfüttern würde. Wäre aber gar nicht möglich gewesen, da wir keinen Hund hatten und mein Hamster schon lange Zeit davor aus dem Fenster geflogen war.
Es gibt sicher noch mehr von solchen kleinen Gemeinheiten, doch ich will nicht klagen. Ich sah und sehe mich nicht als etwas Besonderes. Meine Angst war ja konstant und damit normal. Letztendlich führte ich ein Doppelleben. Einmal in der Wohnung und dann das Leben außerhalb.
1959–1968 – Schulzeit
Im Jahr darauf durfte ich dann zur Schule, und schnell wurde mir klar: Es war kein „Dürfen“, sondern ein „Müssen“. Damit war der Spaß auch schnell vorbei.
Heute würde ich sagen: Was für ein schönes altes Gebäude! Aber damals war es für mich ein riesiges, altes und dunkles Haus, und es war keine Freude, es zu betreten.
Glücklicherweise dauerte es nicht allzu lange, und wir zogen in den Norden Deutschlands. Eine neue Stadt, eine neue Schule – ich konnte wieder hoffen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nicht bei mir.
Schnell wurde mir klar, dass die neue Schule zwar nicht so beängstigend war, aber auch nicht wirklich besser. Denn auch dort gab es Lehrer. Nicht, dass ich Probleme mit den Lehrern hatte, und sicher nicht mit den Lehrerinnen, aber ich bin mir sicher, dass sie es mit mir nicht so einfach hatten. In jedem Jahreszeugnis stand, dass ich faul war. Für mein Betragen bekam ich dagegen eigentlich immer ein „gut“ bis „sehr gut“.
In meinem ersten oder zweiten Schuljahr fragte der Lehrer, wer das ABC aufsagen könne. Ich meldete mich sofort. Nicht, dass mir das ABC etwas sagte. Doch intuitiv wusste ich, dass es andere in meiner Klasse gab, die die Antwort kannten. Das führte dazu, dass der Lehrer meinte, jetzt solle einmal ein anderer an die Reihe kommen.
Dass ich bis heute das ABC nicht kann, ist sicher eine Folge dieses Erlebnisses. Ich kannte es damals nicht, und es gab wohl auch keinen Grund, es zu lernen. Heute ist das ein wenig anders. Wenn ich in der Bibliothek ein Buch suche, dauert es etwas länger, bis ich den Buchstaben N oder einen anderen gefunden habe. Wäre vielleicht doch gut gewesen, es zu lernen.
Apropos Faulheit. Ein anderes Beispiel: Der Lehrer wollte mit der Klasse Kopfrechnen üben. Nachdem ich mich bei den ersten drei Fragen ordentlich gemeldet hatte, war ich danach wohl einfach zu faul, meinen Arm wieder herunterzunehmen. Der Lehrer reagierte darauf ein wenig irritiert. Also nahm ich ihn herunter und ließ ihn für den Rest der Stunde auch unten.
Ein immer wiederkehrendes Problem während meiner Schulzeit.
In meinen Halbjahreszeugnissen stand regelmäßig der Satz, dass meine Versetzung gefährdet sei. Gefährdet und faul. Faul war ich sicher. Schließlich hatte ich nicht besonders viel Lust, mich mit dem Kinderkram zu beschäftigen, der mir in der Schule erzählt wurde.
Es gab allerdings auch Lehrerinnen, die bereit waren, mir die Chance zu geben, aus einem „ungenügend“ oder „mangelhaft“ ein „befriedigend“ zu machen. Dazu musste ich einfach ein vorgegebenes Thema bearbeiten. Wenn ich dann nach ein paar Tagen mit einem kurzen Essay von zehn oder zwansig Seiten ankam, war meine Versetzung bereits etwas weniger gefährdet. Das mit den Essay fing erst ab der vierten Klasse an, was sicher auch ein Grund war das ich fürs Gymnasium vorgeschlagen wurde. Außerdem hatte ich es mir noch nicht so richtig abgewöhnt den Arm zu heben, in der Klasse. Wobei nicht jede Antwort die ich dann gab, dem Lehrer gefiel.
Es war also für mich einfacher, mich ein paar Tage lang intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen, als ein ganzes Jahr lang Dinge zu hören, die doch schon jeder wusste.
Nicht, dass ich besonders mit Wissen gesegnet gewesen wäre. Für mich war es nur nicht wirklich wichtig zu wissen, wann welche Kriege im 18. Jahrhundert stattgefunden hatten. Interessanter wäre es gewesen zu erfahren, warum diese Kriege stattgefunden hatten. Aber das erzählte niemand. Oder ich hatte mal wieder nicht zugehört.
In der vierten und auch in der fünften Klasse gab es die Möglichkeit, durch einen Test und eine Empfehlung der Schule auf eine höhere Schule zu wechseln – für die mittlere Reife oder das Abitur. Überraschenderweise bekam ich die Empfehlung, ein Gymnasium zu besuchen.
Mein Stolz darüber war schnell vorbei, als ich meinem Vater davon erzählte. Er war der Meinung, dass die Schule sich wohl geirrt habe. Außerdem würde das auch noch Geld kosten.
Also blieb ich da, wo ich war – mit dem jährlichen Bericht, dass ich faul und meine Versetzung gefährdet sei. Das führte immerhin dazu, dass ich mit fünfzehn die Schule verlassen durfte.
In der Schule galt ich als faul. Außerhalb der Schule konnte ich sehr hartnäckig sein, wenn ich etwas wirklich lernen wollte.
Es gab auch noch die Zeit außerhalb der Schule. Besonders gerne erinnere ich mich an die Stunden im Schwimmbad. Schwimmbad war schließlich nicht zu Hause.
Die Zeit des schulischen Schwimmunterrichts war noch nicht gekommen, aber meine Brüder und ich waren, sobald das Schwimmbad öffnete, sofort im Wasser zu finden. Ich konnte zwar noch nicht schwimmen, doch das Kinderbecken fand ich mit all den kleinen Kindern ein wenig lächerlich. Auch waren sie nicht wirklich kleiner als ich.
Meine Brüder konnten bereits schwimmen, und das war der Maßstab für mich. Ein wenig wie bei der Schule. Ich hatte wohl nichts daraus gelernt.
Da es niemanden gab, der bereit war, mir das Schwimmen beizubringen, musste ich es wohl selbst lernen. Einfach ins Wasser zu springen, fand ich dann doch zu gefährlich. Also kletterte ich an der Leiter ins 50-Meter-Becken. Ich hatte inzwischen mitbekommen, dass es im Becken einen Rand gab, auf dem man stehen konnte. Außerdem konnte man sich am Beckenrand festhalten.
Nachdem es mir gelungen war, mich in einer Ecke ungefähr einen Meter vom Rand wegzubewegen, fand ich es an der Zeit, Größeres zu wagen.
Das Schwimmbad hatte auch einen Zehnmeterturm. Nicht, dass ich gleich aus zehn Metern Höhe gesprungen wäre. Das war mir dann doch etwas zu hoch. Also sprang ich zuerst vom Einmeterbrett. Dicht genug am Rand, damit ich mich gleich festhalten konnte. Von dem ein- und Dreimeterbrett konnte ich zur Seite herunterspringen um ohne Probleme beim auftauchen sofort den Rand zu erreichen. Beim Sprung von zehn Meter war es etwas schwieriger, denn da musste ich zehn oder zwölf Meter weit springen. Mit etwas Anlauf erschien mir das gut zu machen. Eigentlich hatte ich mehr Angst um zu weit zu springen und als ich da oben stand und nach unten sah gab auch das ein mulmiges Gefühl. Darum war der Anlauf eine gute Sache. Nicht nachdenken. Laufen und springen.
Ich hätte auch noch ein Jahr warten können, denn im folgenden Jahr gab es in der Schule Schwimmunterricht. Inzwischen konnte ich mich aber bereits retten, wenn ich einmal nicht dicht genug am Rand landete. Mit ein paar wilden Kraulbewegungen erreichte ich ihn immer.
Beim ersten Schwimmunterricht wurden wir in Schwimmer und Nichtschwimmer eingeteilt. Ehrlich, wie ich war, stellte ich mich zu den Nichtschwimmern.
Es war wieder einmal typisch für meine Lehrer: Keiner nahm mich ernst.
Der Lehrer meinte, ich solle ihn nicht veralbern, und stellte mich zu den Schwimmern. Auch eine Art, das Schwimmen zu lernen.
Es hat aber geholfen. Noch im selben Jahr machte ich meinen DLRG-Schein, obwohl ich dafür eigentlich noch zu jung war.
1961
Umzug nach Itzehoe
Mit dem Umzug nach Itzehoe wurde unsere Wohnung besser. Unser Familienleben nicht.
Auch dass mein Vater endlich Arbeit hatte, verdanken wir alles meiner Mutter. Sie war die treibende Kraft hinter allem. Die Wohnung war größer, hatte eine Zentralheizung und ein eigenes Bad. Leider war die Zeit, in der mein Vater arbeitete, eher temporär als kontinuierlich. Was bedeutete, dass er viel zu Hause war und weiterhin ein äußerst wechselhaftes Regime führte.
Das führte dann auch dazu, dass mein Bruder Peter, beschloss, von zu Hause abzuhauen. Da er das mit mir besprach, entschloss ich mich, ihn zu begleiten. Er hatte alles Wichtige schon eingepackt, und wir gingen los in Richtung einer neuen Welt. Nachdem wir so eine Stunde gelaufen waren, traute ich mich doch nicht. War einfach zu feige mit meinen elf Jahren. Ich glaube nicht, dass er wirklich böse auf mich war, als ich ihm sagte, dass ich wieder nach Hause gehe. Vielleicht war er sogar froh. Er ging Richtung Glückstadt in der Hoffnung, dort auf einem Schiff anzuheuern. Was ihm auch gelang, mit seinen 13 Jahre. Wieder einen Bruder weniger, obwohl ich von Wolfgang, dem anderen Bruder zu diesem Zeitpunkt noch nichts wusste. Irgendwie war es ein kommen und gehen mit meinen Brüdern. Mein ältester Bruder war von Juni 1963 bis März 1965 im Krankenhaus. Er hatte sich bei meinem Vater angesteckt mit TBC. Das war dann auch der Grund das er in eine Spezialklinik kam. So 80 km von unserem Heimatort. Es war dann auch nicht so einfach um ihn so nebenbei zu besuchen.
Mein anderer Bruder, der abhaute, war von April 1966 bis 1968 von zu Hause weg. Er kam zurück als wir bereits von Itzehoe nach Eningen umgezogen sind.
Ich selbst habe mein Elternhaus 1969 verlassen. Nicht völlig freiwillig, aber ich war weg.
Eigentlich haben wir alle unser Elternhaus nicht freiwillig verlassen. Außer mein ältester Bruder der, abgesehen von seinem langen Krankenhausaufenthalt, es bis zu seiner Heirat geschafft hat bei meinen Eltern zu wohnen.
Der Körper verwundet sich
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits die wichtigsten Verwundungen hinter mir. Nichts Wichtiges, aber mit 9 brach ich mir den Arm. Irgendwie bin ich wohl etwas zu hoch in einer Baustelle herum geklettert, was an und für sich kein Problem war, nur das abstürzen war doof.
Ich habe bestimmt noch nicht über meine zwei Narben erzählt. Wobei ich sicher noch mehr Narben habe als nur diese zwei. Diese zwei haben jedoch etwas Auffallendes. Die eine habe ich an der Hand und die andere genau am Penisansatz. Beide sind ein Zeichen meines jugendlichen Leichtsinns und dem, was ich die Mythen von Lutz nenne. Mythen, weil ich im Laufe meines Lebens sie immer mal wieder anders erzähle wie ich an die Narben gekommen bin. Nicht das ich dann irgendeine Lügengeschichte erzähle. Es sind mehr diffuse Geschichten, die meinem Zuhörer die Möglichkeit gibt ihre eigene Fantasie einzusetzen. Überhaupt habe ich mir während meiner Kindheit und Jugend so einige Verletzungen zugezogen. Zweimal habe ich mir meinen Fuß gebrochen, einmal meinen Arm. Noch heute ist gut zu sehen, dass ich meinen Arm gebrochen habe.
Wenn man sich heute seinen Arm bricht geht man ins Krankenhaus und da sind Spezialisten die wissen was sie tun. Das hoffe ich auf jeden Fall, obwohl es dafür auch heute keine Garantie gibt und meine Erfahrung anders ist. Es kann noch immer, ab und an, völlig verkehrt gehen. Nein, damals ging man noch zu seinem Hausarzt, denn der war für alles zuständig was Körper und Geist anging. Er konnte zwar alles, aber bei mir gelang es ihm nicht wirklich meinen Arm wieder in seinen Orginalzustand zu versetzen. So kommt es, dass ich auch heute noch einen schiefen Arm habe. Nicht das das besonders auffällt, aber es ist mir heute möglich meine Hand bzw. meinen Arm beinah 180° zu drehen. Ich war jung und was wusste ich schon vom Leben, oder wie ein Arm aussehen sollte. Nachdem er aus dem Gips kam war ich froh, dass ich wieder alles machen konnte. Vielleicht ist diese außergewöhnliche Beweglichkeit meines Armes irgendwann sogar einmal nützlich, auch wenn ich mir eine solche Situation im Moment nicht vorstellen kann. Damals war es möglicherweise ein kleines Problem. Unsere Eltern hatten uns bei einem Musikverein angemeldet und ich wollte wie mein Bruder auch Trommeln erlernen. Dabei könnte so sein das mein etwas schiefer Arm dafür sorgte das ich keinen Wirbel schlagen konnte. Diese Karriere war damit schnell wieder vorbei.
Als ich mir ein paar Jahre später meinen Fuß brach, lief alles etwas anders. Inzwischen vom Staat betreut und nicht mehr von meinen Eltern, kam ich sofort ins Krankenhaus. Der Staat kann verklagt worden, bei den Eltern ist das schwieriger. War es Dummheit oder Schicksal? Es ist sicher sinnvoll zu erklären, dass ich beide Narben vor meinem 15. Lebensjahr erhielt. Die Narbe, die sich an meinem angeschnittenen Penis befindet, ergab sich aus einem Florettgefecht mit meinem Bruder. Es war die Zeit in der wir, wenn Sperrmüll auf die Straße gestellt wurde, dort rumstreunten. Wir wollten sehen ob es da etwas gab was wir brauchen könnten. Eigentlich fanden wir auch immer etwas. Vor allem viele Bücher und da wir schon immer sehr belesen waren, war das immer ein sehr erfolgreicher Tag für uns. Unser Vater hatte da völlig andere Ideen. Er fragte uns, was wir mit den alten Dingern wollen. Er war zwar Buchbinder, aber vielleicht wusste er ja nicht, dass es außer dem Umschlag auch noch etwas dazwischen gibt.
Irgendwann fanden wir auch zwei Floretts und wie man das als Kinder so macht, waren wir sofort die drei Musketiere, auch wenn wir nur zu zweit waren. Bei einem dieser Gefechte passierte es dann, dass man Bruder mich so (unglücklich) erwischte, dass ich einen leichten Schmerz in der Hüftgegend fühlte. Selbstverständlich sagte ich nichts davon, aber das Gefühl von Nässe brachte mich schon dazu, das Gefecht schnell abzubrechen. Ich sagte nichts, da ich wie die drei Musketiere auch stolz und mutig sein wollte. Als ich dann allein war entschloss ich mich meine Hose herunterzuziehen und erkannte das die Nässe von dem Blut kam, welches mir die Beine herunterlief. Inzwischen war ich aber schon so alt, dass eine gewisse Scham mich daran hinderte, dieses Problem mit meinen Eltern zu besprechen. Wobei in meinem Fall das mit den Eltern sich mehr auf meine Mutter bezog. Mit meinem Vater hatte ich da und auch später kein so gutes Verhältnis, dass ich mit ihm so etwas überhaupt besprechen wollte. Also entschloss ich mich das Problem selbst anzupacken und scheinbar ging das gut, denn das Ding hängt immer noch rum und freut sich mit mir, seine Aufgaben erledigen zu können.
Das mit meiner Hand war wirklich ein dummer Fehler von mir. Ich hatte ein schönes großes Messer und wollte damit angeben und zeigen wie ich das Messer locker in einen Baum schlagen kann. Der Baum war härter als erwartet. Anstatt das das Messer tief in den Baum eindrang rutschte ich mit meiner Handfläche längs der Schneide. Das sorgte dafür das meine Hand bis auf die Knochen durchgeschnitten war.
Diesmal musste ich schon zuhause etwas sagen und mein Vater fuhr mit mir zum ärztlichen Notdienst wo ich, äußerst unangenehm, sicher zehn Spritzen in meine Hand bekam und ich durfte nicht einmal zugucken wie der Arzt die Hand nähte. Jedes Mal, wenn ich mich aufgerichtet hatte, einfach weil ich sehen wollte was der Arzt da macht wurde ich wieder zurück auf die Liege gedrückt.
Die sichtbaren Verletzungen heilten mehr oder weniger gut. Dann gab es noch die, für die kein Arzt zuständig war.
Meine erste Liebe. So erinnere ich mich an ein Mädchen, das auf Besuch war bei unseren Nachbarn. Wobei man Nachbarn weiträumig sehen muss. Sie wohnte auf jeden Fall in derselben Straße. Ich, elf Jahre alt und fürchterlich verliebt. Das ging so weit, dass ich mich an einem Sonntag besonders schick, auf jeden Fall meine besten Sachen angezogen habe und den ganzen Tag auf der Straße wartete, hoffend dass sie endlich runterkommt. Sie kam nicht und die Enttäuschung war groß. Wieder wurde ich nicht geliebt. Erst später hörte ich das sie bereits wieder abgereist war, aber was weiß ich schon in diesem Alter. Auf jeden Fall war ich am Boden zerstört und machte ein paar Tage lang einen schweren Leidensweg durch. Einen Leidensweg der mich eigentlich nie verlassen hat.
1966
Mit 13 lernte ich eine junge Frau kennen, die ich erst mit meinem unüberwindlichen Scharm davon überzeugte mit mir in die Eisdiele zu gehen. D.h. wir sprachen ab uns am nächsten Tag in der Eisdiele zu treffen. Warum sag ich junge Frau? Ich war 13 und ich denke das sie so 18 Jahre alt war, vielleicht auch etwas jünger. Wenn man so jung ist, dann ist ein Mädchen von 18 bereits eine junge Frau. Ich hatte also abgesprochen mich mit ihr zu treffen, aber ich ging nicht hin. Eine Art von Schüchternheit, oder auch Das Bewusstsein das ich nicht liebenswert bin. Etwas was mich auch in meinem späteren Leben ständig begleiten würde. Sie sah wirklich sehr gut aus und ich konnte mir nicht vorstellen, was sie von mir wollte. Außerdem hatte ich natürlich nur eine begrenzte Anzahl von Sprüchen auf Lager und wusste deshalb auch nicht über was ich mit ihr reden sollte. Sex war noch lange kein Thema für mich.
Später, als ich schon älter war, habe ich das immer noch so gemacht. Abgesprochen mit einer Frau und sie dann sitzen lassen. Da gab es dann zwar kein Altersunterschied mehr, aber das Aussehen dieser Frauen war so exzellent das ich völlig verunsichert war. Wenn ich die Frauen heute noch kennen würde, würde ich mich sicher für mein unmögliches Verhalten entschuldigen. Nicht dass ich versuchen würde es zu erklären, sondern nur meine tief empfundene Entschuldigung aussprechen.
1967
Das Bein habe ich mir natürlich auch gebrochen, aber das war erst nachdem wir wieder einmal umgezogen sind. Auch so ein dummer Fehler von mir. Hatte etwas mit Vertrauen zu tun. Ich war mit ein paar Jungs am rummachen und dabei landete ich auf einem Garagendach. Ein etwas älterer Junge meinte das ich einfach runterspringen könnte und er mich auffängt. Das runterspringen ging dann auch sehr gut. Nur das auffangen war nicht so einfach da der Junge einfach zwei Schritte zur Seite machte und ich ein wenig unglücklich auf den Boden aufkam.
Also, wir waren wieder einmal umgezogen und wie schon beim ersten Mal alles von meiner Mutter organisiert. Wohnung für uns alle und Arbeit für meinen Vater. Auch diese Wohnung war wieder besser als die vorige. Es war ein kleines Reihenhäuschen. Inzwischen waren wir ja nur noch 4 Personen und so hatte jeder ein eigenes Zimmer.
Irgendwann, ich war wohl so 14 Jahre alt, erzählte mir ein Mädchen, dass ein Typ unfreundlich zu ihr gewesen sei, und blickte mich dabei mit ihren freundlichen Augen an. Da konnte ich natürlich nicht anders, als dem Typen ein paar aufs Maul zu hauen. Sie zeigte mir den Jungen, der an der Straße stand, und ich rempelte ihn an. Sofort beschuldigte ich ihn, dass er mich angerempelt hätte. Er widersprach – Grund genug für mich, ihm mit einem gezielten Faustschlag die Realität des Bodens zu zeigen. Etwas später kam er dann mit zehn Freunden zu mir, wahrscheinlich, um auch mir die Realität des Bodens zu zeigen. Glücklicherweise war meine Realität anders als seine, und letztendlich wurden wir beste Freunde. Es stellte sich heraus das wir gemeinsame Freunde hatten und so konnte ich alles wieder in einem Gespräch klären, indem ich den Grund nannte warum ich getan hatte was ich getan habe.
Das sind so die kleinen Geschichten die immer mal wieder passierten.
1968
1968 war ein Jahr ständiger Veränderungen. Manches dauerte ein paar Tage, andere ein paar Monate.
Mit 15 hatte ich dann die Schule hinter mir gelassen und es wurde mir deutlich gemacht, dass es Zeit für mich ist mir eine Lehrstelle zu suchen. Mein erster Versuch war, mich als Fernmeldetechniker zu bewerben. Technik war immer mein Ding. Vor allem um Dinge auseinander zu nehmen um zu sehen was da drin ist. Die Bewerbung ging auch sehr gut, abgesehen das ich erst einmal einen Test ablegen musste. Theoretisch und praktisch. Der theoretische Teil ging gut, aber der praktische Teil war nichts für mich. Ich wusste zwar, in der Theorie, was ich machen musste, doch die Praxis war etwas schwieriger. Also letztendlich durchgefallen. Offenbar hatte ich ein kleines Problem damit, meine Finger koordiniert zu bewegen.
Der nächste Versuch ging dann schon ein wenig besser. Ich bewarb mich um eine Lehrstelle als Offsetdrucker und da es keinen Test gab wurde ich sofort angenommen.
Als Erstes stellte man mich an einen Setzkasten. Ein Setzkasten ist ein Kasten mit unendlich vielen Fächern wo alle Buchstaben und Sonderzeichen in verschieden großen Fächern verteilt sind. Das Fach mit E war größer als das Fach mit X, da das E viel öfters in einem Text vorkommt als ein X. Glücklicherweise hatte ich das nicht gelernte ABC nicht nötig, sondern konnte es ohne Mühe lernen wo in den verschiedenen Fächer der benötigten Buchstaben lag. So verging der erste Monat. Morgens bekam ich einen Text und abends, wenn ich fertig war wurde der Text gedruckt, mit einer uralten Druckerpresse, um zu kontrollieren ob ich es gut gemacht habe. Nachdem ich die Basis gelernt hatte vom normalen Drucken, kam ich in die Offsetabteilung. Kurz gesagt war das viel einfacher.
Einmal in der Woche musste ich in die Berufsschule in Stuttgart. Da passierte mir ein kleines Missgeschick. Es war dieses frühe Aufstehen. Beim aufstehen, noch nicht richtig wach, ging das anziehen etwas verkehrt. Ich vergaß mir eine Unterhose anzuziehen und außerdem meinen Reißverschluss an der Hose zu zumachen. Auf dem Weg zur Schule fiel mir zwar auf das es etwas kühl war an meinem Genitalbereich, aber immer noch nicht völlig wach ignorierte ich das. Auch das die Menschen die mir entgegenkamen mich etwas befremdlich ansahen, konnte ich selbst auch nur als befremdlich sehen. In der Klasse angekommen wies mich einer meiner Klassengenossen darauf das mein Penis aus meiner Hose hing. Wie peinlich. Nicht für mich, denn jetzt wurde mir deutlich warum die Leute mich so merkwürdig angesehen haben. Ansonsten ging es aber gut in der Schule, wenn sich da nicht ein anderes Missgeschick aufgetan hätte.
Ich könnte es Faulheit nennen, oder ein gewisses Desinteresse an der Schule. Sicher hatte ich wieder einmal kein Bedürfnis um in die Schule zu gehen.
Am nächsten Tag auf der Arbeit fragte mich mein Ausbilder wie es denn so in der Schule war. Nachdem er mir genügend Zeit gab um ausgebreitet zu erzählen was ich so alles gelernt habe, erzählte er mir das die Schule angerufen hätte mit der Mitteilung das ich nicht da war. Im Gegensatz zu meinem anderen Erlebnis in der Schule war mir das sehr peinlich und es blieb mir nichts anderes übrig als sofort zu kündigen. Er war zwar der Meinung das dies nicht so möglich ist, aber ich erklärte das ich immer noch in meiner Probezeit bin und dass es dadurch schon möglich ist. Außerdem verlies ich nach diesem Gespräch sofort die Firma und damit war meine Kündigung definitive. Ich hatte gelogen, etwas was für mich nicht akzeptabel war. Ich schämte mich, ein sehr unangenehmes Gefühl und diese Scham war der wirkliche Grund um zu gehen. Nicht die Wahrheit zu sagen ist für mich etwas anderes als lügen. Die Wahrheit nicht zu sagen kann z.b. sein um zu schweigen, oder etwas so zu umschreiben das verschiedene Interpretationen möglich sind. Glücklicherweise, nachdem ich zuhause war, ging alles gut. Mein Vater hatte nichts anderes erwartet.
1.AKT
Das Stück handelt von einem Menschen der in einer völlig anderen Umgebung wach wird, als er es normal gewöhnt ist. Möglicherweise war er 20 Jahre im Koma und leidet jetzt darunter das er sich nur an die letzten zwei Tage erinnern kann. Seine jetzige Situation ist ihm fremd, neu und anders.
Szene: Ein Mann sitzt hinter seinem Schreibtisch. Durch das tragen eines weisen Jacke erweckt er den Eindruck das er ein Arzt ist. Er sitz völlig entspannt mit seinen Füßen auf dem Schreibtisch. Eine Frau ist gerade dabei, mit einem Staubsauger, den Boden zu säubern.
Ein Mann klopft an der Tür und betritt den Raum. Mitten im Raum steht er wartend da und sagt.
H.: Ich bin Henk Schulz und muss mich melden um entlassen zu werden.
Der Mann hinter dem Schreibtisch lächelt freundlich.
M.: Bist du dir da sicher von?
H.: ah, mir ist gesagt das ich hier sein muss.
M.: Wie war dein Name nochmals?
H.: Henk Schulz.
Der Mann greift sich einen Stapel Papier und lässt diese durch seine Finger gleiten.
M.: Und sie sind sich da völlig sicher?
H.: Ja, da bin ich mir wirklich!
M.: Sorry, ich will jetzt wirklich seriös mich mit die beschäftigen. Setz dich doch bitte.
Der Mann nimmt die Füße vom Schreibtisch und erscheint jetzt interessiert zu sein.
Henk geht zum Stuhl um sich zu setzen.
M.: Du willst also wirklich entlassen werden?
H.: Ja, darum bin ich hierher geschickt worden.
M.: Ich habe keine Ahnung warum jemand dich hier her geschickt hat, aber du kannst einfach gehen. Einen schönen Tag noch.
Bei den Worten „schöner Tag“ steht der Mann auf und will Henk die Hand geben. Henk nimmt die Hand und dreht sich um , um weg zu gehen.
H.: …. Ich habe doch noch ein paar Fragen, wenn das erlaubt ist.
M.: Natürlich, setz dich einfach wieder.
H.: Ich bin jetzt hier seit zwei Tagen und weiß nicht warum ich hier bin. Auch weiß ich nicht was mit mir ist, oder was mit mir passiert ist.
M.: Na, ich bin sicher das du länger als zwei Tage hier warst.
H.: Ja, aber wie lange?
M.: So genau weiß ich das auch nicht, aber ich kann dir sagen warum du hier bist.
H.: Und, warum bin ich hier?
M.: Du warst krank, oder lass es mich anders sagen, du warst nicht in Ordnung.
H.: Aber was habe ich denn dann gehabt?
M.: So genau weiß ich das auch nicht.
H.: Sie wissen nicht wie lange ich hier bin, wissen nicht was mir fehlt, können sie mir überhaupt etwas erzählen?
M.: Ja, gestern habe ich eine Frau getroffen, das war mir doch ein Erlebnis! ….willst du da alles drüber wissen?
H.: Wenn es dann so schlimm ist das sie mir das nicht erzählen wollen, erzählen sie mir doch alles was sie können, auch ist es noch so fürchterlich, aber bitte machen sie sich nicht lustig über mich.
M.: Weißt du was. Ich habe das Gefühl das wir nicht so gut miteinander auskommen.
Dabei steht der Mann auf und geht zur Tür.
M.: Du musst das jetzt nicht persönlich nehmen, aber es macht mir keinen Spaß mehr mit dir.
H.: ….. so war das doch nicht gemeint…..
Henk dreht sich auf seinem Stuhl um und sieht wie der Mann zur Tür geht.
H.: …es war echt nicht so gemeint, aber ich muss doch jemanden fragen können was wirklich passiert ist.
Während Henk sich wieder in seinem Stuhl zurück dreht sitz plötzlich die Frau hinter dem Schreibtisch, die gerade noch mit dem Staubsauger beschäftigt war.
F.: Dann bist du bei mir an der richtigen Adresse. Ich will dich doch erst darauf weisen das ich nicht die einfachste bin.
H.: Wer bist du eigentlich? Ich glaube nicht das es sinnvoll ist mit einer Putzfrau über mich zu sprechen.
F.: Da hast du sicher recht. Doch habe ich ein paar Diplome. Zum Beispiel eins über Gesprächstechnik, wobei ich sagen muss das ein paar Diplome von einem Freund kommen. Eins seiner Diplome ist für Fälschungen und er hat selbst eine offizielle Erlaubnis dafür. Wobei mit seinem Diplome kommt man auch nicht weit, inzwischen hat ja jeder einen Drucker zuhause. Also wir können in aller Ruhe miteinander reden.
Henk sieht um sich herum, ein wenig unsicher und zweifelnd.
H.: Also, wenn ich dann doch schon hier bin………….. können sie mir sagen wie lange ich schon hier bin und was mit mir los ist?
F.: Du bist hier schon ein paar Jahre, auf jeden Fall seit du mit dem Flugzeug hierher gebracht bist.
H.: Mit dem Flugzeug? Wo bin ich dann hier?
F.: In der Stadt.
Henk denkt kurz nach.
H.: In welcher Stadt?
F.: Ja, ich verstehe das jetzt. Du kennst natürlich mehrere Städte dann ich.
Henk stutz kurz.
H.: Wieso……. Vergess es. Wie kann es sein das ich hier bereits schon Jahre bin, mich aber nur an die letzten 2 Tage erinnern kann?
F.: Das ist eine lange Geschichte und die steht in deinem Dossier. Also kannst du das alles später in Ruhe lesen. Zuerst lass uns erst einmal über wichtigere Sachen reden.
H.: Was kann denn wichtiger sein, als das was mit mir passiert ist?
F.: Das will ich die erzählen. Was machst du wenn du hier weg gehst als erstes.?
H.: Das ist einfach. Ich gehe nach Hause und suche mir eine Arbeit, oder so.
F.: Das kannst du vergessen. Erst muss du ein Formular ausfüllen um Papiere zu bekommen und dann kannst du dir eine Wohnung suchen.
H.: Aber der Heer vor ihnen hat gesagt das ich einfach gehen kann.
F.: Wenn du das so machen willst, dann musst du das selber wissen, aber das hat natürlich folgen und dafür will ich nicht gerade stehen. Natürlich ist es deine Entscheidung.
H.: Entschuldigung….. so war es nicht gemeint,…..geben sie mir einfach das Formular.
F.: So einfach geht das nicht. Hier sind nicht so viel Menschen die ein Formular drucken können. Darum musst du erst beweisen das du Henk Schulz bist, denn für den habe ich ein Formular.
Henk greift sich automatisch an die Brust um seinen Ausweis herauszuholen. Realisiert sich schnell das da nichts ist.
H.: Wie muss ich das beweisen. Ihr habt doch meine Papiere.
F.: Wir? Ich habe deine Papiere nicht.
H.: Also, kann ich dann so ein Formular ausfüllen?
F.: So einfach geht das nicht, da könnte ja jeder kommen. Ich werde dir etwas mitgeben und dann kannst du erst deine Papier holen und danach kommst du hier wieder zurück.
Henk besieht sich das Papier und fragt.
H.: Wie muss ich das finden. Wo ist das überhaupt?
F.: Das erkläre ich dir so. Wichtig ist das du dich nicht wegschicken lässt. Du brauchst diese Papiere. Bleib standhaft, egal was sie dir sagen.
H.: Ja, das kenne ich. Das Problem habe ich früher auch immer gehabt bei der Gemeinde.
F.: Komm einfach mit und dann lass ich dich sehen wo du sein musst.
2. AKT
Eine Verkäuferin steht hinter der Verkaufstheke und spricht mit einem Kunden.
Kunde: ....... ich bin nicht sicher ob das die gute Farbe ist.
Dabei hält der Kunde einen blauen Pass hoch.
Verk.: Das ist ja fürchterlich mit dir. Jeden Tag klagst du über eine andere Farbe.
Kunde: Ich habe für jeden Anzug eine andere Farbe nötig.
Verk.: Hör mal gut zu. Ich bin die einzige die diese Arbeit macht und wenn du weiterhin so klagst, dann höre ich damit auf und du kannst sehen woher du Sachen bekommst.
Kunde: Das interessiert mich mal gar nicht. Der Kleiderladen nebenan will sowieso mehr machen und das können die auch noch.
Henk betritt den Laden und die Verkäuferin sieht ihn an. Henk bleibt kurz stehen und wartet. Die Verkäuferin wendet sich wieder ihrem Kunden zu.
Verk.: OK, wenn du das so gut weißt dann hau ab und komm nicht wieder.
Kunde: Na, dann geh ich mal.
Der Kunde packt die Pässe und verlässt den Laden.
Henk geht zur Verkaufstheke und legt das Papier vor die Verkäuferin.
H.: Man hat mir gesagt das ich hier sein muss um meine Papier abzuholen.
Die Verkäuferin nimmt das Papier und zerknüllt es um es dann geschickt in den Papierkorb zu werfen, ohne einen Blick darauf zu werfen.
Verk.: Ja, was bist du doch ein leckeres Kerlchen.
H.: Entschuldigung, kennen wir uns? ....... Ich kann mich an sie überhaupt nicht erinnern.
Verk.: Wer sollte so einen netten Kerl nicht kennen?
H.: Ich weiß nicht..... ich kann mich wirklich nicht erinnern.....und ich bin hier zum ersten Mal.
Verk.: Was willst du dann von mir, mein Schätzchen?
H.: Papiere. Das stand auch auf dem Zettel.
Verk.: Das ist überhaupt kein Problem.
Die Verkäuferin packt ein rotes Papier und reicht es Henk an.
Verk.: Das rote hier steht für die ewige andauernde Liebe.
H.: Da steht doch überhaupt nichts drauf.
Verk.: Du wollest doch Papiere. Ist das etwa kein Papier?
H.: Doch, aber das meinte ich nicht. Ich brauche Papiere womit ich mich ausweisen kann. Die habe ich nötig.
Verk.: Ausweisen? Wofür hast du das den nötig?
H.: Im Krankenhaus haben sie zu mir gesagt das dies nötig ist.
Verk.: Im Krankenhaus. Das kann stimmen, aber das kann noch ein Problem werden...... Was findest du davon wenn du heute Abend zu mir nach Hause kommst und wir machen uns einen schönen Abend um in aller Ruhe alles zu besprechen?
H.: Das geht nicht. Ich kann heute Abend nicht. Ich weiß nicht was ich noch alles erledigen muss und außerdem hat man mir gesagt das es wichtig ist das ich die Papiere direkt bekomme.
Mit einem lächelnden Gesicht läuft sie hinter der Verkaufstheke zu Henk.
Verk.: So,so, sehr wichtig. Wir haben doch alle Zeit.
Sie fängt an die Knöpfe von Henk seinem Hemd oben aufzumachen. Während Henk die Knöpfe wieder am zumachen ist.
H.: ...... was machen sie denn? Ich komm doch allein für meine Papiere.
Verk.: Was machst du denn da? Ich glaube mein Schätzchen weiß noch nicht wie wichtiges ist um Papiere zu haben. Wenn du jetzt aus dem Laden gehst wirst du sicher kontrolliert werden und wenn du dann nicht alle Stempel hast, sehen wir uns sicher erst in einem halben Jahr wieder.
H.: In einem halben Jahr?
Verk.: Ein halbes Jahr Gefängnis. Das willst du doch sicher nicht mein Schatz. Was frage ich den schon. Nur das du ein wenig mitarbeitest, das ist doch sicher nicht zu viel gefragt?
Das Licht geht aus und man hört Geräusche in der Dunkelheit.
Das Licht geht wieder an und Henk und die Verkäuferin ziehen sich wieder an.
Verk.: So schlimm war das doch nicht?
H.: Kann ich jetzt meine Papiere haben?
Verk.: Natürlich Schätzchen. Kurz nachdenken.
Die Verkäuferin denkt nach und wird plötzlich sehr formal.
Verk.: Name?
H.: Henk Schulz
Verk.: Geboren?
H.: 11-10-1960
Verk.: So, das ist lange her. Geschlecht?
H.: Das haben sie doch gerade selbst feststellen können.
Verk.: Antworte. Geschlecht?
H.: Mann
Verk.: Und was für ist deine Adresse?
H.: Ich habe keine Adresse.
Verk.: Partei?
H.: Ich bin kein Mitglied einer Partei.
Verk.: Jeder ist bei einer Partei. Du musst bei der IBV oder bei der IBG sein.
H.: Da weiß ich nicht von. Noch nie davon gehört.
Verk.: IBV ist „Ich Bin Vor“ und IBG ist „Ich Bin Gegen.“ Ich denke du bist IBG.
H.: Ich bin sicher nicht IBG. Warum sollte ich gegen etwas sein?
Verk.: O, dann bist du IBV. Dann gehen wir jetzt noch mal hinter die Theke.
H.: Da bin ich doch gegen.
Verk.: Also doch IBG?
H.: Nein, wissen sie, ich bin nicht wirklich dafür, aber auch nicht wirklich dagegen.
Verk.: Jetzt verstehe ich es. Du bist IBW.
H.: Was ist das denn schon wieder?
Verk.: Was ist denn jetzt schon wieder mit dir los? Erst verteidigst du IBW, stärker noch du hast die Partei gerade gegründet und du weißt nicht was die Partei ist? Das ist doch die Partei „Ich Bin Wechselhaft.“ Das weiß doch jeder. Beruf? Ach, natürlich du bist der Vorstand von der IBW. Hast du ein Einkommen?
H.: Ich habe keine Arbeit.
Verk.: Keine Arbeit? Du bist doch Vorstandvorsitzender von der IBW...... wobei das nicht bedeuten muss das du auch ein Einkommen hast.
Im Hintergrund ist eine Gruppe von Menschen zu hören die die rufen: „IBW, gestern noch nicht hier und heute gibt’s schon Bier.“
Aus einem Lautsprecher ist zu hören „IBW, die neuste Partei. Kommt alle zur Veranstaltung mit Henk Schulz auf dem Platz der freien Rede“
Verk.: Meinen Glückwunsch zu deinem Erfolg, aber du hast doch ein Einkommen nötig...... Ich gebe die eine Adresse und da gehst du hin und fragst um Arbeit. Außerdem habe ich hier deine vorläufigen Papiere. Den Rest bekommst du nächste Woche. Dann kommst du wieder zu mir und ich stelle schon einmal den Champagner kalt.
H.: Vielen Dank für alles.
Verk.: Nicht so steif mein Schätzchen, sehe dich nächste Woche.
Mit einem Klaps auf seinen Hintern begleitet die Verkäuferin Henk aus dem Laden.
3. AKT
In einem Büro sitz ein Mann hinter dem Schreibtisch. Rechts von ihm sitzt eine Frau, die leicht bekleidet ist, in einem Sessel.
Der Mann sieht interessiert zu wie sich die Frau ihre Fingernägel lackiert
Henk, auf der Suche nach Arbeit klopft an.
Mann: Herein.
Henk kommt herein und bleibt an der Tür stehen.
H.: Bin ich hier richtig?
Der Mann sieht sich Henk an, während die Frau sich mit weiterhin mit ihren Fingernägeln beschäftigt.
Mann: Hier bist du immer richtig. Möchtest du etwas zu trinken?
H.: Ja, gerne.
Der Mann fragt die Frau.
Mann: Kannst du ein paar Tassen Kaffee holen?
Henk sieht jetzt erst die halb nackte Frau und erschreckt.
Frau: Nein da habe ich überhaupt keine Lust zu.
H.: Entschuldigung,............ vielleicht ist es besser wenn ich später noch einmal zurück komme.
Mann: Das musst du selber wissen, aber warum bist du überhaupt hier?
H.: Ich bin hierher geschickt worden um möglicherweise eine Arbeit zu bekommen.
Mann: Das habe ich schon gesagt. Hier bist du immer richtig.
Frau: Hast du besondere Fähigkeiten?
Henk sieht zu der Frau hin und verschämt wendet er sich schnell wieder dem Mann zu.
H.: Das letzte was ich getan habe war als Bote im Gemeindehaus zu arbeiten, .......glaube ich wenigstens.
Frau: Dann hattest du sicher viel mit Formularen zu tun gehabt?
Die Frau richtet ihre nächsten Worte gegen den Mann.
Frau: Er erscheint mir sehr geeignet, findest du nicht auch?
Mann: Ja das finde ich auch.
Der Mann richtet sich wieder zu Henk.
Mann: Wir haben hier eine Stelle als Direktor. Wenn du willst kannst du sofort anfangen.
H.: Ich bin mir nicht sicher ob ich dafür geeignet bin.
Mann: Das ist an und für sich kein Problem. Möchtest du nun eine Arbeit oder nicht? Du kamst doch um zu arbeiten?
H.: Ich weiß es nicht ........ was muss ich denn dann machen?
Frau: Setz dich jetzt einfach hinter den Schreibtisch und schon bist du der neue Direktor.
Henk geht hinter den Schreibtisch und der Mann steht auf und schiebt den Stuhl nach hinten. Henk setzt sich auf den Stuhl, während der Mann hinter dem Stuhl stehen bleibt.
Als Henk im Stuhl sitzt greift ihn der Mann von hinten fest.
Mann: Du bist verhaftet. Wir sind vom Sicherheitsdienst.
Henk will aufstehen, aber der Mann drückt ihn zurück in den Stuhl.
Frau: Keine verdächtigen Bewegungen rate ich dir. Mit Leuten wie dir werden wir schon fertig werden.
H.: Ich habe doch nichts getan.
Frau: Oh nein, und wo ist das Geld von dem Firmenkonto?
H.: Welches Firmenkonto? Ich bin doch gerade erst hier gekommen. Das wissen sie doch.
Frau: Ja das kennen wir bereits. Der Täter kommt immer wieder an den Ort seiner Tat zurück. Das hast du doch sicher auch schon gelesen?
H.: Nein, der Täter ist immer der Gärtner.....
Mann: Probierst du dich lustig über uns zu machen? Dann werden wir dir ganz schnell andere Seiten des Lebens sehen lassen.
H.: Aber ich habe wirklich nichts getan. Das wisst ihr doch?
Frau: Lass es mich einmal deutlich sagen. Wir brauchen einen Sündenbock für das plündern der Firmenkasse. Jemand muss doch für diese skandalöse Tat aufkommen und du bist der Direktor.
H.: Ich habe es doch nicht getan. Ich kann es nur wiederholen.
Mann: Du hast die Arbeit als Direktor akzeptiert und bist damit für alle vor und Nachteile verantwortlich. Also steh auf und gehe mit.
H.: Ich will überhaupt kein Direktor sein.
Mann: Ich finde das langsamerhand alles sehr ärgerlich zu finden. Geh einfach weg und vertue nicht unsere Zeit.
Henk steht auf und geht zur Tür hinaus, während der Mann sich wieder hinter dem Schreibtisch nieder lässt.
Frau: Wir sitzen jetzt hier schon den ganzen Tag und wir haben immer noch niemanden gefunden der die Tat auf sich nehmen will.
Mann: Weißt du was? Ich sitze gerade so angenehm hier im Stuhl. Lassen wir davon ausgehen das ich der Direktor bin. Was findest du davon?
Frau: Würdest du das spaßig finden?
Mann: Ja, das ist mal wieder etwas anderes!
Die Frau steht auf und stellt sicher hinter den Stuhl.
Frau: Sie sind verhaftet, ich bin vom Sicherheitsdienst.
Mann: Aber ich habe nichts getan.
Frau: O nein, und wo ist das Geld vom Firmenkonto?
Mann: Ich will einen Anwalt. Ich sage nichts mehr ohne meinen Anwalt.
Frau: Einen Anwalt? Das werden wir noch sehen.
Mann: Sie können sowieso nichts mehr von mir bekommen. Ich habe das Geld bereits ausgegeben.
Frau: Genug gesprochen. Wir gehen.
Beide verlassen die Bühne.
4.AKT
Eine Frau sitzt auf einer Parkbank eine Zeitung zu lesen und Henk kommt zu ihr und fragt ob er sich dazu setzen darf.
H.: Ist dieser Platz noch frei?
M.: Ja, natürlich.
Henk setzt sich und die Frau geht durch mit dem lesen in der Zeitung.
Nach einer kurzen Zeit fängt die Frau an zu reden.
M.: Was haben wir doch für ein schönes Wetter, nicht wahr?
Henk sieht die Frau erstaunt an.
H.: Ja ..... schönes Wetter.
M.: Früher war das nicht so, aber seit wir seitdem wir nur noch Atomenergie benutzen ist es viel besser geworden. Die Luft ist sauberer und die Atmosphäre wird auch noch extra erwärmt. Ich spare zuhause sehr viel Geld, nicht nur weil ich weniger heizen muss, sonder auch weil ich erst viel später die Heizung anmachen muss.
H.: Die Aufheizung der Atmosphäre hat doch sicher auch nachteilige Folgen für die Erde?
M.: Sie sind sicher von der IBG Partei. Macht nichts. Nachteile? Manche Menschen finden es einen Nachteil ist das wir kein weißes Weihnachten mehr bekommen. Dabei kann ich einfach zum Südpol fahren. Da ist genügend Schnee.
H.: Südpol? Warum nicht zum Nordpol?
M.: Da liegt kein Schnee mehr. ....... Gut das du es fragst. Was haben die Leute geschrien von der IBG. Katastrophen, versunkene Inseln und was denen sonst noch einfiel. Dabei ist da herrliches Land zum Vorschein gekommen. Oke, manche Teile an der Küste sind nicht mehr, aber so geht das im Verlauf der Geschichte. Denk nur an Atlantis.
H.: Und was ist mit den Menschen passiert?
M.: Auch sowas. Wir standen am Rande einer Katstrophe. Hunderte Millionen standen nahe am verhungern. Durch die Atomenergie ist die Sterblichkeit um 1000% gestiegen.
H.: 1000%??? Gibt es jetzt keinen Hunger mehr?
M.: Beinah nicht mehr. Die einzigen Menschen die an Hunger sterben sind die, die in den Hungerstreik gehen, aber das ist ihre eigene Entscheidung. Das müssen wir akzeptieren.
H.: Das können sie doch nicht machen. Sie können doch nicht einfach Menschen sterben lassen. Das ist unmoralisch.
M.: Unmoralisch, was ist das?
H.: Moral, das weiß doch jeder. Es ist unmoralisch um jemanden sterben zu lassen ohne etwas zu tun.
M.: Wenn ich das gut verstehe, ist es ...... wie war das Wort wieder?
H.: Unmoralisch.
M.: Es ist also unmoralisch wenn ich jemanden Auto fahren lass.
H.: Nein, natürlich nicht.
M.: Aber du sagst das es unmoralisch ist wenn ich zusehe wie jemand sich selbst totfährt.
H.: Wenn jemand mit dem Auto fährt geht er doch nicht automatisch tot.
M.: Dasselbe gilt doch auch von jemanden der in den Hungerstreik geht. Ob er tot geht wissen wir doch erst am Schluss. Er könnte auch einfach stoppen, genauso wie der Autofahrer. Im Gegensatz zum Autofahrer weiß der andere das er sicher am Ende tot ist, aber es ist seine freie Entscheidung und wer bin ich um eine freie Entscheidung an zu zweifeln.
H.: Aber er tut es für etwas Gutes, eine bessere Welt.
M.: Wer entscheidet was gut oder schlecht ist? Früher war es eine kleine Gruppe die darüber entschieden hat was gut oder schlecht ist und hat das der Mehrheit aufgezwungen. Heute entscheidet das jeder für sich selbst was gut oder schlecht für ihn ist.
H.: Das ist Anarchie.
M.: Nein, das ist Freiheit.
H.: Wenn ich es gut verstehe kann ich machen was ich will, oder lassen was ich will? Warum habe ich dann Papier nötig?
M.: Die hast du nur nötig, wenn du sie nötig hast.
H.: Können sie mir das näher erklären?
M.: In deinem Fall ist das sicher deutlich. Ich denke das du ein Mitglied bist von der IBG. Damit bist du gegen die Freiheit des Individuum und für Normen. Normen sind Einschränkungen und Einschränkungen bedeutet Papiere. Darum hast du Papiere nötig.
H.: Wie können sie sagen das ich gegen Freiheit bin?
M.: Ich gehe jetzt. Schönes Wetter heute.
H.: Ja, schönes Wetter.....
5.AKT
Henk läuft unsicher mit all seine Gedanken durch die Stadt. Er entschließt sich in ein Cafe zu gehen. Er setzt sich an einen Tisch am Fenster. Die Kellnerin kommt an seinen Tisch.
K.: Was kann ich für dich tun.
H.: Einen Kaffee bitte.
Die Frau geht.
Über einen Lautsprecher kommen die Gedanken von Henk.
H.: LS Was muss ich jetzt machen. Ich habe kein Geld, keine Wohnung, selbst den Kaffee kann ich nicht bezahlen. Vielleicht muss ich den gar nicht bezahlen. Ich sage einfach das ich kein Geld für den Kaffee habe. Auf der anderen Seite passiert vielleicht etwas schreckliches. Es kann alles sein. Wie muss ich jetzt weiter. Vielleicht kann ich versuchen in einer Zeitung eine Wohnung zu finden. Ich frage einfach die Kellnerin ob sie eine Zeitung hat.
Henk hebt den Arm um nach der Kellnerin zu winken.
H.: Entschuldigung, können sie zu mir kommen?
K.: Der Kaffee kommt sofort.
H.: Nein, das ist es nicht. Haben sie eine neue Zeitung für mich?
K.: Eine Zeitung? So etwas gibt es schon lange nicht mehr. Sie können im Hinterzimmer den Computer benutzen. Da bekommst du alle Information die du nötig hast.
H.: Und was kostet das?
K.: Das kommt darauf an welche Fragen du hast.
H.: Ich hab kein Geld dafür.
K.: Wie willst du deinen Kaffee bezahlen, wenn du kein Geld hast?
H.: Bezahlen? Ich bin nicht nur bei IBV, sondern auch ein Mitglied von IBG.
K.: Wenn das so ist, ist es in Ordnung, doch wie du in das Information zimmer kommst, kann ich dir nicht sagen. Ich weiß es nicht mehr.
Die Kellnerin geht wieder weg.
Wieder hören wir den Lautsprecher.
H.: Ls Das mit dem Kaffee hat sich wohl erledigt. Ansonsten bin ich aber keinen Schritt weiter. Geld könnte das Problem sein. ....... Wenn ich jetzt einfach zu einer Bank gehe und sage das ich Geld nötig habe. Sollte ich es einfach probieren, auf der anderen Seite denke ich das es so einfach nicht sein wird. Denn wenn das jeder machen würde und würde niemand mehr Arbeiten. Aber ich kann auch nicht einfach hier sitzen bleiben, also gehe ich zur Bank oder nicht. Ich geh.
In dem Moment kommt die Kellnerin mit dem Kaffee.
K.: Dein Kaffee.
H.: Eigentlich wollte ich gerade weggehen.
K.: Wir können besser auf die Polizei warten, schließlich hast du kein Geld um deinen Kaffee zu bezahlen.
H.: aber ich sagte doch.....
K.: Das lassen wir besser durch die Polizei untersuchen.
H.: Ich will den Kaffee überhaupt nicht.
K.: Das ist frischer Kaffee, hast du da eine Beschwerde drüber?
H.: Nein, das nicht ....
K.: Dann ist ja alles gut.
Die Kellnerin geht wieder weg.
Wieder hören wir den Lautsprecher.
H.:Ls Was mach ich jetzt? Gerade war alles noch in Ordnung und jetzt sitz ich hier. Es ist bestimmt am besten wenn ich einfach sitzen bleib. Eigentlich ist das auch egal. Aber wenn ich bleibe was passiert dann wieder, also ist es besser zu gehen. Gehen, bleiben. Was muss ich, was kann ich? Soll ich flüchten oder hierbleiben. Vielleicht komm ich vor ein Erschießung Kommando wegen dem Kaffee. Wird es besser wenn ich weggehe oder wenn ich bleibe. Ist den niemand hier der mir sagen kann was ich machen muss. Ich gehe, nein ich bleibe, ich geh, geh, bleib , bleibe. Ich muss mich jetzt entscheiden. Ich gehe, oder bleibe doch lieber, vielleicht gehe ich oder vielleicht lieber nicht. Ich geh, ich bleib, ich geh, ich bleib, ich geh, ich bleib, ich geh, ich bleib, ich geh, ich bleib, ich geh, ich bleib, ich geh. Ach Gott hilft mir denn keiner?
Henk fällt auf den Boden.
Ende der Geschichte