1953
An einem Freitag im Juli war der Tag, an dem ich das Licht des Lebens zum ersten Mal sah. Die Geburt war sicher nicht einfach, ich kam als ein wahrer Wonneproppen zur Welt. Es war Hochsommer die Welt hätte mich mit einer strahlenden Sonne empfangen können, und sie hätte mir zeigen können, dass mein späteres Leben ein schönes und friedvolles sein würde. Ich wäre dementsprechend ein, liebes und sonniges Kind geworden.
Doch am Tag meiner Geburt versteckte sich die Sonne ein wenig verschämt hinter den Wolken. Die Wolken weinten auf eine sanfte Art und Weise, wie es nur an einem sommerlichen Tag möglich ist. In der Ferne schimmerte ein Regenbogen, und hätte ich ihn sehen können, hätte seine Farbenpracht mich sicher erfreut. Doch ich lag noch friedlich in den Armen meiner Mutter und nahm davon nichts wahr.
Selbst das Wetter schien zu wissen, was mich noch alles in meinem späteren Leben erwarten würde: Glück, Liebe, Trauer und Schmerz. Ein einfaches, normales Leben. Vielleicht ein wenig zu viel Glück und viel Liebe. Das Prinzip von Glück war so normal, dass ich es gar nicht wahrnehmen konnte. Wenn nur die Sonne scheint, kann man die Nacht nicht erkennen. Die Liebe war wie die Nacht, die ich nicht sehen konnte. Ich wusste zwar vom Verstand her, dass ich geliebt wurde, aber mein Gefühl war sich sicher, dass ich nicht geliebt werden konnte. Und wenn alles nichts half, sorgte ich dafür, dass mein Gefühl recht bekam.
Das waren dann die Momente von Trauer und Schmerz. Die Geburt ist ein Schlüsselerlebnis, schließlich ist es der Moment, in dem für uns das Leben beginnt und wir erste Prägungen erfahren. Da ich mich nicht selbst an meine Geburt erinnern kann, kann ich nur das weitergeben, was mir später berichtet wurde. Mein Vater war nicht wirklich begeistert von der Aussicht, dass ich geboren werden sollte. Er versuchte meine Mutter zu überzeugen, mich abzutreiben. Vielleicht fand er drei Kinder genug. Möglicherweise war er sich nicht sicher, ob ich auch wirklich sein Kind war. Meine Mutter war eine lebenslustige Frau mit einem Lachen auf den Lippen, und das ist sicher etwas, was ich von ihr geerbt habe.
Man könnte weiter spekulieren, doch das wären nur Mutmaßungen. So wie die Frage, warum meine Mutter trotz aller Einwände meines Vaters darauf bestand, mich zur Welt zu bringen. Vielleicht war es einfach konventionelles Denken, oder der Mutterinstinkt. Wichtig ist, dass ich auf diese Welt kam – mit all ihren Herausforderungen.
Das erste große Ereignis war meine Taufe, die ich glänzend bestand. Ich hatte es bis in die Kirche geschafft und lag in den Armen meiner Mutter, während mein Vater daneben stand. Als der Pfarrer fragte, auf welchen Namen ich getauft werden sollte, sagte mein Vater, es werde der Name „Lutz“ sein. Der Pfarrer war einen Moment irritiert und dann entsetzt. Auf diesen Namen könne er mich nicht taufen, erklärte er, Lutz sei schließlich die Abkürzung von „Luzifer“. Er fragte, ob es nicht möglich wäre, einen anderen Namen zu wählen.
Mein Vater nahm mich daraufhin in seine Arme und erklärte, dass dies der einzige und richtige Name für mich sei. Beide verließen daraufhin die Kirche, und jeder machte sich wohl seine eigenen Gedanken dazu. Für mich war das kein Problem. In den Himmel zu kommen, hielt ich ohnehin für unwahrscheinlich, denn schließlich sollen nur 144.000 Auserwählte dorthin gelangen, und ich vermute, diese Plätze sind in den letzten zweitausend Jahren bereits vergeben worden. Sollte ich in die Hölle kommen, hätte ich dort zumindest einen Namensvetter – was vorteilhaft sein könnte.
Im Laufe der Gespräche zwischen meinen Eltern kamen sie wohl zu dem Ergebnis, dass meine Mutter mich behalten durfte, aber sie einigten sich darauf, dass sie mich ignorieren sollte. Kein Trösten, wenn ich weinte, kein liebevolles Streicheln über den Kopf, wenn ich Trost suchte – sowohl nach meiner Geburt als auch in meinem späteren Leben. Ich war da, aber dennoch so fern in meiner Familie. Es gab keine Sicherheit, und so war ich von meiner Geburt an von Angst durchdrungen.
Meinem Gefühl nach kann ich sicher sagen, dass es meinem Vater gut gelang, meine Mutter zu überzeugen. So wie bei meiner Taufe. Meine Mutter bemühte sich, dieser Absprache nachzukommen, auch wenn es ihr nicht immer gelang. Fünfzig Jahre später, als sie mir das alles erzählte, gab sie zu, dass sie immer darunter gelitten habe, aber nicht wusste, was sie tun konnte oder sollte.
Es waren die 1950er Jahre – eine Zeit, in der Frauen, die kurz zuvor noch in den Fabriken gearbeitet hatten, plötzlich nichts mehr wert waren. Ein eigenes Konto zu haben, war nicht erlaubt, und wenn sie arbeiten wollten, brauchten sie die Zustimmung ihres Ehemanns. Heute reden wir oft über die Rolle der Frau in anderen Kulturkreisen und fühlen uns erhaben, aber damals war es in Deutschland nicht viel besser.
Das Nicht-geliebt-Werden hatte natürlich Folgen für mich, und es dauerte Jahrzehnte, bis mir diese Folgen bewusstwurden. Glücklicherweise wusste ich damals von all dem nichts, und so konnte ich mein Leben unbeschwert beginnen. Denn wenn man von Geburt an nicht geliebt wird, erscheint das einfach als die normalste Sache der Welt. Erst viel später, als ich bei anderen Menschen sah, dass es auch anders ging, verwunderte ich mich und begann allmählich zu spüren, was mir fehlte. Ein Prozess, der Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, dauerte.
Ein anderes Gefühl war jedoch schon früh präsent: Angst. Nicht die Art von Angst, die man hat, wenn man etwas angestellt hat und Angst vor Bestrafung haben könnte. Meine Angst war wie ein Damoklesschwert, das ständig über mir schwebte. Selbst in Momenten, in denen ich sicher war, nichts falsch gemacht zu haben, war dieses Gefühl da. Mein Vater verstand es auf subtile Weise, diese Gefühl zu nähren. Ihm half dabei die Überzeugung, dass ich sowieso immer alles falsch machte und nichts konnte.
============================================
Als ich etwa zehn oder elf Jahre alt war, sprang ich vom Zehn-Meter-Turm ins Schwimmbecken. Eine Leistung? Nicht für meinen Vater. Dass ich nicht schwimmen konnte, war für ihn eher dumm als beeindruckend. Er fand es nicht einmal erwähnenswert, mir zu raten, vielleicht erst einmal schwimmen zu lernen, bevor ich vom Zehn-Meter-Turm sprang. Es war ihm wohl egal, was mit mir passierte.
Bad Cannstatt – wie der Name schon andeutet, war es ein Kurort mit einer gut erhaltenen Altstadt, einem schönen Kurhaus und zahlreichen Brunnen, aus denen Mineralwasser floss. Dieses Wasser konnte man auch im Kurhaus trinken oder zum Baden nutzen. Schon die Römer schätzten das Mineralwasser und hinterließen Überreste von Bädern, die noch heute zu sehen sind. Entstanden war die römische Siedlung durch das Kastell im heutigen Hallschlag. Doch wie so oft im Leben wohnten wir in einem schönen Ort, aber im falschen Viertel – dem Hallschlag. In meiner Zeit und auch heute noch galt dieser als sozialer Brennpunkt und hatte nicht mehr die Kultur und Badefreuden vergangener Zeiten.
Sozialer Brennpunkt bedeutete jedoch nicht, dass die Menschen im Hallschlag asozial waren – sie waren einfach nur arm. Menschen, die aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkamen und sich in der neuen Ordnung zurechtfinden mussten. Das sorgte immer wieder für soziale Konflikte. In diesem Stadtviertel verbrachte ich die ersten Jahre meines Lebens. Meine Eltern wohnten in einer kleinen Wohnung im vierten Stock. Zwei Zimmer, eine kleine Küche, aber immerhin hatten wir eine Toilette in der Wohnung. Am Wochenende war dann Waschtag für die Kinder. Eine kleine Zinkbadewanne wurde auf den Tisch gestellt, meine Mutter kochte Wasser, und während wir nacheinander in die Wanne gesetzt wurden, schüttete sie immer wieder heißes Wasser nach. Da ich als Letzter dran war, passte nicht mehr viel Wasser hinein, und es war eher erfrischend als warm. Dass das Wasser nach zwei weiteren Kindern nicht mehr sauber war, muss ich sicher nicht extra erwähnen. Aber ich sah keinen Grund zu klagen, schließlich war ich dafür noch zu jung.
Ich klagte ohnehin nie zu Hause. Zwar weinte ich ab und zu, aber klagen kam mir nicht in den Sinn. Wer klagt, fällt auf, und ich war lieber unsichtbar. Meine Mutter brachte mich aus dem Krankenhaus nach Hause, wo mein Vater und meine drei Brüder bereits auf mich warteten – zumindest nehme ich das an. Mein ältester Bruder war inzwischen drei Jahre alt, die Zwillinge kurz vor ihrem zweiten Geburtstag. Mein ältester Bruder mag sich vielleicht etwas dabei gedacht haben, als ich heimkam, aber bei den Zwillingen bezweifle ich das. Mein Vater hingegen wird wohl eher eine finstere Miene aufgesetzt haben und den Tag verflucht haben, an dem ich geboren wurde.
Mein eigentliches Problem war, dass ich dem schützenden Mutterleib entrissen worden war und Hunger hatte. Noch ahnte ich nicht, dass dieser Hunger mich auch in späteren Jahren begleiten würde. Zwei Erwachsene und drei Kinder in einer kleinen Wohnung, und im Winter mussten wir einmal am Tag in den Keller, um Kohlen zu holen, die nötig waren, um den einzigen Ofen in der Küche zu betreiben.
Mein Vater war nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Er hatte schnell meine Mutter geheiratet, obwohl er schwer kriegsbeschädigt war und sich auch noch eine Tuberkulose zugezogen hatte. Für ihn war es sicher nicht einfach. Er hatte seine Kriegsgefangenschaft in Frankreich verbracht – besser als in Sibirien, da er rechtzeitig von der Ostfront zurückgezogen wurde und so in den Weinbergen Frankreichs landete. Mit 18 musste er zur Wehrmacht, zuvor hatte er eine Ausbildung als Buchbinder abgeschlossen. Über seine Kindheit weiß ich nichts, denn er erzählte nie davon, und ich hatte nicht das Vergnügen, seine Eltern kennenzulernen.
Auch die Eltern meiner Mutter habe ich nie kennengelernt. Sie wurde unehelich geboren und kam bereits als Baby zu einer Pflegefamilie, während ihre Mutter in ein Irrenhaus abgeschoben wurde – damals eine übliche Praxis. Ein uneheliches Kind zu haben, galt als „krankhaft“, und so landeten Frauen in Heimen. Der Vater von meiner Mutter wurde selbstverständlich nicht in eine Anstalt gesteckt. Er hatte sich schnell aus dem Staube gemacht und hatte schließlich keine Verantwortung für das Kind von ihm.
In ihrer Pflegefamilie wurde meine Mutter nicht als Kind, sondern als Dienstmädchen behandelt. Sie war froh, als ein großer, stattlicher Mann (mein Vater) kam, der sie aus dieser Situation rettete und heiratete.
Meine Mutter war nicht gesund – sie litt an Herzproblemen. Dies führte dazu, dass ich von meinen drei Brüdern nur zwei kannte und den dritten erst kennenlernte, als ich 17 war. Kurz nach meiner Geburt kam mein Vater aufgrund seiner Krankheit ins Krankenhaus, und meine Mutter war mit vier kleinen Kindern überfordert. So entschieden meine Eltern, die Zwillinge vorübergehend zu einer Pflegefamilie zu geben, mit der Absicht, sie später zurückzuholen. Als es meinem Vater besser ging und sie die Zwillinge abholen wollten, weigerte sich die Pflegefamilie die Kinder zurückzugeben. Sie hatten die Zwillinge in der Zeit liebgewonnen. Meine Eltern waren damals so überfordert, dass sie sich schließlich darauf einigten, dass jeder ein Kind behält. So wuchs ich mit zwei Brüdern auf, hatte aber eigentlich drei.
Wir lebten in einer sozial schwierigen Gegend und unter beengten Verhältnissen, daher war es für meine Eltern kein Problem, wenn wir Kinder bis spät abends draußen spielten. Besonders erinnere ich mich an den Tag, an dem andere Kinder mit Laternen durch die Straßen zogen, während wir mit ausgehöhlten Kürbissen unterwegs waren. Wir hatten uns erlaubt, ein paar Kürbisse von einem nahegelegenen Feld zu „leihen“. Sie wurden mit Kerzen beleuchtet und bekamen gruselige Gesichter – wahre Kunstwerke.
1957
Während wir stolz mit unseren Kürbissen herumliefen, kam eine Gruppe älterer Kinder auf uns zu und verlangte, dass wir unsere Kürbisse abgeben. Unser erster Impuls war natürlich, nicht nachzugeben, aber zum Glück war mein ältester Bruder klug genug, einen schnellen Rückzug zu organisieren. Wir ließen die Kürbisse zurück und liefen weg. Obwohl wir die Kürbisse gestohlen hatten, fühlte ich mich dennoch gedemütigt. Das war der Anfang meiner kurzen „kriminellen“ Karriere, die ich mit 15 beendete – obwohl ich ziemlich gut darin war. Die Monate in Untersuchungshaft hatten nichts damit zu tun, sondern es war einfach nicht mehr nötig.
1958
Doch ich greife vor.
Mit 5 wollte ich auch in die Schule, meine Brüder gingen bereits in die Schule, und dadurch sah ich die Schule als etwas Erstrebenswertes an. Ich war noch jung und wusste nicht besser. Also entschloss ich mich, eines Tages, meinem Bruder Peter zu folgen als er auf dem Weg zur Schule war. Es half nicht, dass er mich zurückschickte. Es half auch nicht, dass er schneller lief, denn jetzt war ich gezwungen, ihm heimlich zu folgen.
Dann kam die blöde Straße. Er war schon auf der anderen Seite, und ich musste mich beeilen, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren.
Also wachte ich im Krankenhaus wieder auf. Der Fahrer hatte wohl das Problem, sich zwischen einer grünen Ampel und einem Kind zu entscheiden.
Er besuchte mich noch im Krankenhaus. Im Gegensatz zu meinem Vater. Das gab mir zumindest die Gelegenheit, mich für mein Fehlverhalten zu entschuldigen. Schon als Kind war ich äußerst höflich, und er hatte mir schließlich eine gute Zeit geschenkt. Was sicher weder ihm noch mir zu diesem Zeitpunkt bewusst war.
Meine Angst war schließlich eine Konstante und nicht so sehr ein bewusstes Gefühl, das einen überkam. Ein gemütliches Bett, regelmäßig zu essen und lauter freundliche Krankenschwestern zu haben, war einfach schön. Ein kurzer Moment, angstfrei zu leben. Oder vereinfacht gesagt: Ich war nicht zu Hause, und auch der Besuch meines Vaters blieb mir erspart.
Als Rentner hatte er sicher auch keine Zeit. Aus dem Krieg zurückgekommen, bekam er als Schwerkriegsbeschädigter eine Rente, und seine TBC war sicher auch ein Folgeschaden aus dem Krieg. Nicht, dass man etwas davon sehen konnte. Ein Armschuss, ein Rückenschuss und nicht zu vergessen ein Kopfschuss. Doch er war ein großer, kräftiger Mann, dem man all das nicht ansah.
Ein paar Beispiele aus meiner Kindheit und Jugend können vielleicht aufzeigen, dass meine Ängste sicher nicht vermindert wurden.
Geburtstage wurden regelmäßig gestrichen. Irgendwie hatte ich immer etwas angestellt, das Anlass gab, meinen Geburtstag zu streichen. Dasselbe galt natürlich auch für die anderen Festtage des Jahres. Diese wurden schon ab und zu gefeiert. Schließlich war ich nicht das einzige Kind in der Familie und aus irgendwelchen Gründen gab es diese Feiern schon. Wobei es schon passieren konnte das ich als einziger keine Geschenke bekam. Ich weiß nicht, ob die sogenannten Untaten normal für mein Alter waren oder einfach nur ein Grund, eine Strafe daraus zu machen. Auf diesem Grund habe ich heute wohl nicht mehr so viel mit diesen Tagen zu tun.
1962
Es gab dann diesen Tag, meine Eltern waren ausgegangen und ich wollte meiner Mutter eine Freude machen. Ich war noch klein, gerade 9 Jahre alt, kam mit meiner Nasenspitze gerade auf die Höhe der Anrichte. Also fing ich an, die Küche zu putzen. Ich war stolz auf das Ergebnis. Als meine Eltern zurückkamen war das Erste, was ich von meinem Vater zu hören bekam: „Der Herd ist nicht sauber.“ „Mach den erst einmal sauber, wenn du etwas beweisen willst.“
Um dies wirklich gut machen zu können, hätte ich eigentlich 10 cm größer sein müssen um eine gute Übersicht über die Anrichte und den Herd zu haben, oder mich auf einen Stuhl stellen. Das hatte ich leider versäumt.
Normal hätte das eigentlich eine völlig normale Erziehungsmaßnahme sein können. Ein Vater erwartet von seinem Sohn, dass er, wenn er mit etwas anfängt, dies auch ordentlich zum Ende bringt.
Für mich war es einfach eine Enttäuschung und diese führte zu einer Trotzreaktion. Den Tränen nahe weigerte ich mich. Meine Mutter versuchte noch zu intervenieren. Ohne Erfolg.
Damit fing der Machtkampf an – zwischen einem erwachsenen Mann und einem Kind von 9 Jahren. Nachdem ich mich noch ein paar Mal geweigert hatte, kam mein Vater auf die glorreiche Idee, mir zu drohen, dass er meinen Hamster aus dem Fenster werfen würde, wenn ich den Herd nicht sauber mache.
Heute würde ich es vielleicht anders machen, aber damals blieb ich bei meiner Weigerung. Dies Mischung aus Wut, Enttäuschung und Trotz ließen es mir einfach nicht zu, eine andere Entscheidung zu fällen.
Also flog der Hamster aus dem Fenster. Vielleicht war es für meinen geliebten Hamster Glück, dass die Wohnung meiner Eltern im Erdgeschoss lag. Es war Frühjahr und hinter unserem Haus war eine große Rasenfläche Wo sich Fuchs, (nicht so gut) und Hase sich eine gute Nacht gewünscht hatten. Er könnte es überlebt haben.
Ich hatte die Schlacht zwar gewonnen, aber den Krieg nicht beendet.
1.AKT
Das Stück handelt von einem Menschen der in einer völlig anderen Umgebung wach wird, als er es normal gewöhnt ist. Möglicherweise war er 20 Jahre im Koma und leidet jetzt darunter das er sich nur an die letzten zwei Tage erinnern kann. Seine jetzige Situation ist ihm fremd, neu und anders.
Szene: Ein Mann sitzt hinter seinem Schreibtisch. Durch das tragen eines weisen Jacke erweckt er den Eindruck das er ein Arzt ist. Er sitz völlig entspannt mit seinen Füßen auf dem Schreibtisch. Eine Frau ist gerade dabei, mit einem Staubsauger, den Boden zu säubern.
Ein Mann klopft an der Tür und betritt den Raum. Mitten im Raum steht er wartend da und sagt.
H.: Ich bin Henk Schulz und muss mich melden um entlassen zu werden.
Der Mann hinter dem Schreibtisch lächelt freundlich.
M.: Bist du dir da sicher von?
H.: ah, mir ist gesagt das ich hier sein muss.
M.: Wie war dein Name nochmals?
H.: Henk Schulz.
Der Mann greift sich einen Stapel Papier und lässt diese durch seine Finger gleiten.
M.: Und sie sind sich da völlig sicher?
H.: Ja, da bin ich mir wirklich!
M.: Sorry, ich will jetzt wirklich seriös mich mit die beschäftigen. Setz dich doch bitte.
Der Mann nimmt die Füße vom Schreibtisch und erscheint jetzt interessiert zu sein.
Henk geht zum Stuhl um sich zu setzen.
M.: Du willst also wirklich entlassen werden?
H.: Ja, darum bin ich hierher geschickt worden.
M.: Ich habe keine Ahnung warum jemand dich hier her geschickt hat, aber du kannst einfach gehen. Einen schönen Tag noch.
Bei den Worten „schöner Tag“ steht der Mann auf und will Henk die Hand geben. Henk nimmt die Hand und dreht sich um , um weg zu gehen.
H.: …. Ich habe doch noch ein paar Fragen, wenn das erlaubt ist.
M.: Natürlich, setz dich einfach wieder.
H.: Ich bin jetzt hier seit zwei Tagen und weiß nicht warum ich hier bin. Auch weiß ich nicht was mit mir ist, oder was mit mir passiert ist.
M.: Na, ich bin sicher das du länger als zwei Tage hier warst.
H.: Ja, aber wie lange?
M.: So genau weiß ich das auch nicht, aber ich kann dir sagen warum du hier bist.
H.: Und, warum bin ich hier?
M.: Du warst krank, oder lass es mich anders sagen, du warst nicht in Ordnung.
H.: Aber was habe ich denn dann gehabt?
M.: So genau weiß ich das auch nicht.
H.: Sie wissen nicht wie lange ich hier bin, wissen nicht was mir fehlt, können sie mir überhaupt etwas erzählen?
M.: Ja, gestern habe ich eine Frau getroffen, das war mir doch ein Erlebnis! ….willst du da alles drüber wissen?
H.: Wenn es dann so schlimm ist das sie mir das nicht erzählen wollen, erzählen sie mir doch alles was sie können, auch ist es noch so fürchterlich, aber bitte machen sie sich nicht lustig über mich.
M.: Weißt du was. Ich habe das Gefühl das wir nicht so gut miteinander auskommen.
Dabei steht der Mann auf und geht zur Tür.
M.: Du musst das jetzt nicht persönlich nehmen, aber es macht mir keinen Spaß mehr mit dir.
H.: ….. so war das doch nicht gemeint…..
Henk dreht sich auf seinem Stuhl um und sieht wie der Mann zur Tür geht.
H.: …es war echt nicht so gemeint, aber ich muss doch jemanden fragen können was wirklich passiert ist.
Während Henk sich wieder in seinem Stuhl zurück dreht sitz plötzlich die Frau hinter dem Schreibtisch, die gerade noch mit dem Staubsauger beschäftigt war.
F.: Dann bist du bei mir an der richtigen Adresse. Ich will dich doch erst darauf weisen das ich nicht die einfachste bin.
H.: Wer bist du eigentlich? Ich glaube nicht das es sinnvoll ist mit einer Putzfrau über mich zu sprechen.
F.: Da hast du sicher recht. Doch habe ich ein paar Diplome. Zum Beispiel eins über Gesprächstechnik, wobei ich sagen muss das ein paar Diplome von einem Freund kommen. Eins seiner Diplome ist für Fälschungen und er hat selbst eine offizielle Erlaubnis dafür. Wobei mit seinem Diplome kommt man auch nicht weit, inzwischen hat ja jeder einen Drucker zuhause. Also wir können in aller Ruhe miteinander reden.
Henk sieht um sich herum, ein wenig unsicher und zweifelnd.
H.: Also, wenn ich dann doch schon hier bin………….. können sie mir sagen wie lange ich schon hier bin und was mit mir los ist?
F.: Du bist hier schon ein paar Jahre, auf jeden Fall seit du mit dem Flugzeug hierher gebracht bist.
H.: Mit dem Flugzeug? Wo bin ich dann hier?
F.: In der Stadt.
Henk denkt kurz nach.
H.: In welcher Stadt?
F.: Ja, ich verstehe das jetzt. Du kennst natürlich mehrere Städte dann ich.
Henk stutz kurz.
H.: Wieso……. Vergess es. Wie kann es sein das ich hier bereits schon Jahre bin, mich aber nur an die letzten 2 Tage erinnern kann?
F.: Das ist eine lange Geschichte und die steht in deinem Dossier. Also kannst du das alles später in Ruhe lesen. Zuerst lass uns erst einmal über wichtigere Sachen reden.
H.: Was kann denn wichtiger sein, als das was mit mir passiert ist?
F.: Das will ich die erzählen. Was machst du wenn du hier weg gehst als erstes.?
H.: Das ist einfach. Ich gehe nach Hause und suche mir eine Arbeit, oder so.
F.: Das kannst du vergessen. Erst muss du ein Formular ausfüllen um Papiere zu bekommen und dann kannst du dir eine Wohnung suchen.
H.: Aber der Heer vor ihnen hat gesagt das ich einfach gehen kann.
F.: Wenn du das so machen willst, dann musst du das selber wissen, aber das hat natürlich folgen und dafür will ich nicht gerade stehen. Natürlich ist es deine Entscheidung.
H.: Entschuldigung….. so war es nicht gemeint,…..geben sie mir einfach das Formular.
F.: So einfach geht das nicht. Hier sind nicht so viel Menschen die ein Formular drucken können. Darum musst du erst beweisen das du Henk Schulz bist, denn für den habe ich ein Formular.
Henk greift sich automatisch an die Brust um seinen Ausweis herauszuholen. Realisiert sich schnell das da nichts ist.
H.: Wie muss ich das beweisen. Ihr habt doch meine Papiere.
F.: Wir? Ich habe deine Papiere nicht.
H.: Also, kann ich dann so ein Formular ausfüllen?
F.: So einfach geht das nicht, da könnte ja jeder kommen. Ich werde dir etwas mitgeben und dann kannst du erst deine Papier holen und danach kommst du hier wieder zurück.
Henk besieht sich das Papier und fragt.
H.: Wie muss ich das finden. Wo ist das überhaupt?
F.: Das erkläre ich dir so. Wichtig ist das du dich nicht wegschicken lässt. Du brauchst diese Papiere. Bleib standhaft, egal was sie dir sagen.
H.: Ja, das kenne ich. Das Problem habe ich früher auch immer gehabt bei der Gemeinde.
F.: Komm einfach mit und dann lass ich dich sehen wo du sein musst.
2. AKT
Eine Verkäuferin steht hinter der Verkaufstheke und spricht mit einem Kunden.
Kunde: ....... ich bin nicht sicher ob das die gute Farbe ist.
Dabei hält der Kunde einen blauen Pass hoch.
Verk.: Das ist ja fürchterlich mit dir. Jeden Tag klagst du über eine andere Farbe.
Kunde: Ich habe für jeden Anzug eine andere Farbe nötig.
Verk.: Hör mal gut zu. Ich bin die einzige die diese Arbeit macht und wenn du weiterhin so klagst, dann höre ich damit auf und du kannst sehen woher du Sachen bekommst.
Kunde: Das interessiert mich mal gar nicht. Der Kleiderladen nebenan will sowieso mehr machen und das können die auch noch.
Henk betritt den Laden und die Verkäuferin sieht ihn an. Henk bleibt kurz stehen und wartet. Die Verkäuferin wendet sich wieder ihrem Kunden zu.
Verk.: OK, wenn du das so gut weißt dann hau ab und komm nicht wieder.
Kunde: Na, dann geh ich mal.
Der Kunde packt die Pässe und verlässt den Laden.
Henk geht zur Verkaufstheke und legt das Papier vor die Verkäuferin.
H.: Man hat mir gesagt das ich hier sein muss um meine Papier abzuholen.
Die Verkäuferin nimmt das Papier und zerknüllt es um es dann geschickt in den Papierkorb zu werfen, ohne einen Blick darauf zu werfen.
Verk.: Ja, was bist du doch ein leckeres Kerlchen.
H.: Entschuldigung, kennen wir uns? ....... Ich kann mich an sie überhaupt nicht erinnern.
Verk.: Wer sollte so einen netten Kerl nicht kennen?
H.: Ich weiß nicht..... ich kann mich wirklich nicht erinnern.....und ich bin hier zum ersten Mal.
Verk.: Was willst du dann von mir, mein Schätzchen?
H.: Papiere. Das stand auch auf dem Zettel.
Verk.: Das ist überhaupt kein Problem.
Die Verkäuferin packt ein rotes Papier und reicht es Henk an.
Verk.: Das rote hier steht für die ewige andauernde Liebe.
H.: Da steht doch überhaupt nichts drauf.
Verk.: Du wollest doch Papiere. Ist das etwa kein Papier?
H.: Doch, aber das meinte ich nicht. Ich brauche Papiere womit ich mich ausweisen kann. Die habe ich nötig.
Verk.: Ausweisen? Wofür hast du das den nötig?
H.: Im Krankenhaus haben sie zu mir gesagt das dies nötig ist.
Verk.: Im Krankenhaus. Das kann stimmen, aber das kann noch ein Problem werden...... Was findest du davon wenn du heute Abend zu mir nach Hause kommst und wir machen uns einen schönen Abend um in aller Ruhe alles zu besprechen?
H.: Das geht nicht. Ich kann heute Abend nicht. Ich weiß nicht was ich noch alles erledigen muss und außerdem hat man mir gesagt das es wichtig ist das ich die Papiere direkt bekomme.
Mit einem lächelnden Gesicht läuft sie hinter der Verkaufstheke zu Henk.
Verk.: So,so, sehr wichtig. Wir haben doch alle Zeit.
Sie fängt an die Knöpfe von Henk seinem Hemd oben aufzumachen. Während Henk die Knöpfe wieder am zumachen ist.
H.: ...... was machen sie denn? Ich komm doch allein für meine Papiere.
Verk.: Was machst du denn da? Ich glaube mein Schätzchen weiß noch nicht wie wichtiges ist um Papiere zu haben. Wenn du jetzt aus dem Laden gehst wirst du sicher kontrolliert werden und wenn du dann nicht alle Stempel hast, sehen wir uns sicher erst in einem halben Jahr wieder.
H.: In einem halben Jahr?
Verk.: Ein halbes Jahr Gefängnis. Das willst du doch sicher nicht mein Schatz. Was frage ich den schon. Nur das du ein wenig mitarbeitest, das ist doch sicher nicht zu viel gefragt?
Das Licht geht aus und man hört Geräusche in der Dunkelheit.
Das Licht geht wieder an und Henk und die Verkäuferin ziehen sich wieder an.
Verk.: So schlimm war das doch nicht?
H.: Kann ich jetzt meine Papiere haben?
Verk.: Natürlich Schätzchen. Kurz nachdenken.
Die Verkäuferin denkt nach und wird plötzlich sehr formal.
Verk.: Name?
H.: Henk Schulz
Verk.: Geboren?
H.: 11-10-1960
Verk.: So, das ist lange her. Geschlecht?
H.: Das haben sie doch gerade selbst feststellen können.
Verk.: Antworte. Geschlecht?
H.: Mann
Verk.: Und was für ist deine Adresse?
H.: Ich habe keine Adresse.
Verk.: Partei?
H.: Ich bin kein Mitglied einer Partei.
Verk.: Jeder ist bei einer Partei. Du musst bei der IBV oder bei der IBG sein.
H.: Da weiß ich nicht von. Noch nie davon gehört.
Verk.: IBV ist „Ich Bin Vor“ und IBG ist „Ich Bin Gegen.“ Ich denke du bist IBG.
H.: Ich bin sicher nicht IBG. Warum sollte ich gegen etwas sein?
Verk.: O, dann bist du IBV. Dann gehen wir jetzt noch mal hinter die Theke.
H.: Da bin ich doch gegen.
Verk.: Also doch IBG?
H.: Nein, wissen sie, ich bin nicht wirklich dafür, aber auch nicht wirklich dagegen.
Verk.: Jetzt verstehe ich es. Du bist IBW.
H.: Was ist das denn schon wieder?
Verk.: Was ist denn jetzt schon wieder mit dir los? Erst verteidigst du IBW, stärker noch du hast die Partei gerade gegründet und du weißt nicht was die Partei ist? Das ist doch die Partei „Ich Bin Wechselhaft.“ Das weiß doch jeder. Beruf? Ach, natürlich du bist der Vorstand von der IBW. Hast du ein Einkommen?
H.: Ich habe keine Arbeit.
Verk.: Keine Arbeit? Du bist doch Vorstandvorsitzender von der IBW...... wobei das nicht bedeuten muss das du auch ein Einkommen hast.
Im Hintergrund ist eine Gruppe von Menschen zu hören die die rufen: „IBW, gestern noch nicht hier und heute gibt’s schon Bier.“
Aus einem Lautsprecher ist zu hören „IBW, die neuste Partei. Kommt alle zur Veranstaltung mit Henk Schulz auf dem Platz der freien Rede“
Verk.: Meinen Glückwunsch zu deinem Erfolg, aber du hast doch ein Einkommen nötig...... Ich gebe die eine Adresse und da gehst du hin und fragst um Arbeit. Außerdem habe ich hier deine vorläufigen Papiere. Den Rest bekommst du nächste Woche. Dann kommst du wieder zu mir und ich stelle schon einmal den Champagner kalt.
H.: Vielen Dank für alles.
Verk.: Nicht so steif mein Schätzchen, sehe dich nächste Woche.
Mit einem Klaps auf seinen Hintern begleitet die Verkäuferin Henk aus dem Laden.
3. AKT
In einem Büro sitz ein Mann hinter dem Schreibtisch. Rechts von ihm sitzt eine Frau, die leicht bekleidet ist, in einem Sessel.
Der Mann sieht interessiert zu wie sich die Frau ihre Fingernägel lackiert
Henk, auf der Suche nach Arbeit klopft an.
Mann: Herein.
Henk kommt herein und bleibt an der Tür stehen.
H.: Bin ich hier richtig?
Der Mann sieht sich Henk an, während die Frau sich mit weiterhin mit ihren Fingernägeln beschäftigt.
Mann: Hier bist du immer richtig. Möchtest du etwas zu trinken?
H.: Ja, gerne.
Der Mann fragt die Frau.
Mann: Kannst du ein paar Tassen Kaffee holen?
Henk sieht jetzt erst die halb nackte Frau und erschreckt.
Frau: Nein da habe ich überhaupt keine Lust zu.
H.: Entschuldigung,............ vielleicht ist es besser wenn ich später noch einmal zurück komme.
Mann: Das musst du selber wissen, aber warum bist du überhaupt hier?
H.: Ich bin hierher geschickt worden um möglicherweise eine Arbeit zu bekommen.
Mann: Das habe ich schon gesagt. Hier bist du immer richtig.
Frau: Hast du besondere Fähigkeiten?
Henk sieht zu der Frau hin und verschämt wendet er sich schnell wieder dem Mann zu.
H.: Das letzte was ich getan habe war als Bote im Gemeindehaus zu arbeiten, .......glaube ich wenigstens.
Frau: Dann hattest du sicher viel mit Formularen zu tun gehabt?
Die Frau richtet ihre nächsten Worte gegen den Mann.
Frau: Er erscheint mir sehr geeignet, findest du nicht auch?
Mann: Ja das finde ich auch.
Der Mann richtet sich wieder zu Henk.
Mann: Wir haben hier eine Stelle als Direktor. Wenn du willst kannst du sofort anfangen.
H.: Ich bin mir nicht sicher ob ich dafür geeignet bin.
Mann: Das ist an und für sich kein Problem. Möchtest du nun eine Arbeit oder nicht? Du kamst doch um zu arbeiten?
H.: Ich weiß es nicht ........ was muss ich denn dann machen?
Frau: Setz dich jetzt einfach hinter den Schreibtisch und schon bist du der neue Direktor.
Henk geht hinter den Schreibtisch und der Mann steht auf und schiebt den Stuhl nach hinten. Henk setzt sich auf den Stuhl, während der Mann hinter dem Stuhl stehen bleibt.
Als Henk im Stuhl sitzt greift ihn der Mann von hinten fest.
Mann: Du bist verhaftet. Wir sind vom Sicherheitsdienst.
Henk will aufstehen, aber der Mann drückt ihn zurück in den Stuhl.
Frau: Keine verdächtigen Bewegungen rate ich dir. Mit Leuten wie dir werden wir schon fertig werden.
H.: Ich habe doch nichts getan.
Frau: Oh nein, und wo ist das Geld von dem Firmenkonto?
H.: Welches Firmenkonto? Ich bin doch gerade erst hier gekommen. Das wissen sie doch.
Frau: Ja das kennen wir bereits. Der Täter kommt immer wieder an den Ort seiner Tat zurück. Das hast du doch sicher auch schon gelesen?
H.: Nein, der Täter ist immer der Gärtner.....
Mann: Probierst du dich lustig über uns zu machen? Dann werden wir dir ganz schnell andere Seiten des Lebens sehen lassen.
H.: Aber ich habe wirklich nichts getan. Das wisst ihr doch?
Frau: Lass es mich einmal deutlich sagen. Wir brauchen einen Sündenbock für das plündern der Firmenkasse. Jemand muss doch für diese skandalöse Tat aufkommen und du bist der Direktor.
H.: Ich habe es doch nicht getan. Ich kann es nur wiederholen.
Mann: Du hast die Arbeit als Direktor akzeptiert und bist damit für alle vor und Nachteile verantwortlich. Also steh auf und gehe mit.
H.: Ich will überhaupt kein Direktor sein.
Mann: Ich finde das langsamerhand alles sehr ärgerlich zu finden. Geh einfach weg und vertue nicht unsere Zeit.
Henk steht auf und geht zur Tür hinaus, während der Mann sich wieder hinter dem Schreibtisch nieder lässt.
Frau: Wir sitzen jetzt hier schon den ganzen Tag und wir haben immer noch niemanden gefunden der die Tat auf sich nehmen will.
Mann: Weißt du was? Ich sitze gerade so angenehm hier im Stuhl. Lassen wir davon ausgehen das ich der Direktor bin. Was findest du davon?
Frau: Würdest du das spaßig finden?
Mann: Ja, das ist mal wieder etwas anderes!
Die Frau steht auf und stellt sicher hinter den Stuhl.
Frau: Sie sind verhaftet, ich bin vom Sicherheitsdienst.
Mann: Aber ich habe nichts getan.
Frau: O nein, und wo ist das Geld vom Firmenkonto?
Mann: Ich will einen Anwalt. Ich sage nichts mehr ohne meinen Anwalt.
Frau: Einen Anwalt? Das werden wir noch sehen.
Mann: Sie können sowieso nichts mehr von mir bekommen. Ich habe das Geld bereits ausgegeben.
Frau: Genug gesprochen. Wir gehen.
Beide verlassen die Bühne.
4.AKT
Eine Frau sitzt auf einer Parkbank eine Zeitung zu lesen und Henk kommt zu ihr und fragt ob er sich dazu setzen darf.
H.: Ist dieser Platz noch frei?
M.: Ja, natürlich.
Henk setzt sich und die Frau geht durch mit dem lesen in der Zeitung.
Nach einer kurzen Zeit fängt die Frau an zu reden.
M.: Was haben wir doch für ein schönes Wetter, nicht wahr?
Henk sieht die Frau erstaunt an.
H.: Ja ..... schönes Wetter.
M.: Früher war das nicht so, aber seit wir seitdem wir nur noch Atomenergie benutzen ist es viel besser geworden. Die Luft ist sauberer und die Atmosphäre wird auch noch extra erwärmt. Ich spare zuhause sehr viel Geld, nicht nur weil ich weniger heizen muss, sonder auch weil ich erst viel später die Heizung anmachen muss.
H.: Die Aufheizung der Atmosphäre hat doch sicher auch nachteilige Folgen für die Erde?
M.: Sie sind sicher von der IBG Partei. Macht nichts. Nachteile? Manche Menschen finden es einen Nachteil ist das wir kein weißes Weihnachten mehr bekommen. Dabei kann ich einfach zum Südpol fahren. Da ist genügend Schnee.
H.: Südpol? Warum nicht zum Nordpol?
M.: Da liegt kein Schnee mehr. ....... Gut das du es fragst. Was haben die Leute geschrien von der IBG. Katastrophen, versunkene Inseln und was denen sonst noch einfiel. Dabei ist da herrliches Land zum Vorschein gekommen. Oke, manche Teile an der Küste sind nicht mehr, aber so geht das im Verlauf der Geschichte. Denk nur an Atlantis.
H.: Und was ist mit den Menschen passiert?
M.: Auch sowas. Wir standen am Rande einer Katstrophe. Hunderte Millionen standen nahe am verhungern. Durch die Atomenergie ist die Sterblichkeit um 1000% gestiegen.
H.: 1000%??? Gibt es jetzt keinen Hunger mehr?
M.: Beinah nicht mehr. Die einzigen Menschen die an Hunger sterben sind die, die in den Hungerstreik gehen, aber das ist ihre eigene Entscheidung. Das müssen wir akzeptieren.
H.: Das können sie doch nicht machen. Sie können doch nicht einfach Menschen sterben lassen. Das ist unmoralisch.
M.: Unmoralisch, was ist das?
H.: Moral, das weiß doch jeder. Es ist unmoralisch um jemanden sterben zu lassen ohne etwas zu tun.
M.: Wenn ich das gut verstehe, ist es ...... wie war das Wort wieder?
H.: Unmoralisch.
M.: Es ist also unmoralisch wenn ich jemanden Auto fahren lass.
H.: Nein, natürlich nicht.
M.: Aber du sagst das es unmoralisch ist wenn ich zusehe wie jemand sich selbst totfährt.
H.: Wenn jemand mit dem Auto fährt geht er doch nicht automatisch tot.
M.: Dasselbe gilt doch auch von jemanden der in den Hungerstreik geht. Ob er tot geht wissen wir doch erst am Schluss. Er könnte auch einfach stoppen, genauso wie der Autofahrer. Im Gegensatz zum Autofahrer weiß der andere das er sicher am Ende tot ist, aber es ist seine freie Entscheidung und wer bin ich um eine freie Entscheidung an zu zweifeln.
H.: Aber er tut es für etwas Gutes, eine bessere Welt.
M.: Wer entscheidet was gut oder schlecht ist? Früher war es eine kleine Gruppe die darüber entschieden hat was gut oder schlecht ist und hat das der Mehrheit aufgezwungen. Heute entscheidet das jeder für sich selbst was gut oder schlecht für ihn ist.
H.: Das ist Anarchie.
M.: Nein, das ist Freiheit.
H.: Wenn ich es gut verstehe kann ich machen was ich will, oder lassen was ich will? Warum habe ich dann Papier nötig?
M.: Die hast du nur nötig, wenn du sie nötig hast.
H.: Können sie mir das näher erklären?
M.: In deinem Fall ist das sicher deutlich. Ich denke das du ein Mitglied bist von der IBG. Damit bist du gegen die Freiheit des Individuum und für Normen. Normen sind Einschränkungen und Einschränkungen bedeutet Papiere. Darum hast du Papiere nötig.
H.: Wie können sie sagen das ich gegen Freiheit bin?
M.: Ich gehe jetzt. Schönes Wetter heute.
H.: Ja, schönes Wetter.....
5.AKT
Henk läuft unsicher mit all seine Gedanken durch die Stadt. Er entschließt sich in ein Cafe zu gehen. Er setzt sich an einen Tisch am Fenster. Die Kellnerin kommt an seinen Tisch.
K.: Was kann ich für dich tun.
H.: Einen Kaffee bitte.
Die Frau geht.
Über einen Lautsprecher kommen die Gedanken von Henk.
H.: LS Was muss ich jetzt machen. Ich habe kein Geld, keine Wohnung, selbst den Kaffee kann ich nicht bezahlen. Vielleicht muss ich den gar nicht bezahlen. Ich sage einfach das ich kein Geld für den Kaffee habe. Auf der anderen Seite passiert vielleicht etwas schreckliches. Es kann alles sein. Wie muss ich jetzt weiter. Vielleicht kann ich versuchen in einer Zeitung eine Wohnung zu finden. Ich frage einfach die Kellnerin ob sie eine Zeitung hat.
Henk hebt den Arm um nach der Kellnerin zu winken.
H.: Entschuldigung, können sie zu mir kommen?
K.: Der Kaffee kommt sofort.
H.: Nein, das ist es nicht. Haben sie eine neue Zeitung für mich?
K.: Eine Zeitung? So etwas gibt es schon lange nicht mehr. Sie können im Hinterzimmer den Computer benutzen. Da bekommst du alle Information die du nötig hast.
H.: Und was kostet das?
K.: Das kommt darauf an welche Fragen du hast.
H.: Ich hab kein Geld dafür.
K.: Wie willst du deinen Kaffee bezahlen, wenn du kein Geld hast?
H.: Bezahlen? Ich bin nicht nur bei IBV, sondern auch ein Mitglied von IBG.
K.: Wenn das so ist, ist es in Ordnung, doch wie du in das Information zimmer kommst, kann ich dir nicht sagen. Ich weiß es nicht mehr.
Die Kellnerin geht wieder weg.
Wieder hören wir den Lautsprecher.
H.: Ls Das mit dem Kaffee hat sich wohl erledigt. Ansonsten bin ich aber keinen Schritt weiter. Geld könnte das Problem sein. ....... Wenn ich jetzt einfach zu einer Bank gehe und sage das ich Geld nötig habe. Sollte ich es einfach probieren, auf der anderen Seite denke ich das es so einfach nicht sein wird. Denn wenn das jeder machen würde und würde niemand mehr Arbeiten. Aber ich kann auch nicht einfach hier sitzen bleiben, also gehe ich zur Bank oder nicht. Ich geh.
In dem Moment kommt die Kellnerin mit dem Kaffee.
K.: Dein Kaffee.
H.: Eigentlich wollte ich gerade weggehen.
K.: Wir können besser auf die Polizei warten, schließlich hast du kein Geld um deinen Kaffee zu bezahlen.
H.: aber ich sagte doch.....
K.: Das lassen wir besser durch die Polizei untersuchen.
H.: Ich will den Kaffee überhaupt nicht.
K.: Das ist frischer Kaffee, hast du da eine Beschwerde drüber?
H.: Nein, das nicht ....
K.: Dann ist ja alles gut.
Die Kellnerin geht wieder weg.
Wieder hören wir den Lautsprecher.
H.:Ls Was mach ich jetzt? Gerade war alles noch in Ordnung und jetzt sitz ich hier. Es ist bestimmt am besten wenn ich einfach sitzen bleib. Eigentlich ist das auch egal. Aber wenn ich bleibe was passiert dann wieder, also ist es besser zu gehen. Gehen, bleiben. Was muss ich, was kann ich? Soll ich flüchten oder hierbleiben. Vielleicht komm ich vor ein Erschießung Kommando wegen dem Kaffee. Wird es besser wenn ich weggehe oder wenn ich bleibe. Ist den niemand hier der mir sagen kann was ich machen muss. Ich gehe, nein ich bleibe, ich geh, geh, bleib , bleibe. Ich muss mich jetzt entscheiden. Ich gehe, oder bleibe doch lieber, vielleicht gehe ich oder vielleicht lieber nicht. Ich geh, ich bleib, ich geh, ich bleib, ich geh, ich bleib, ich geh, ich bleib, ich geh, ich bleib, ich geh, ich bleib, ich geh. Ach Gott hilft mir denn keiner?
Henk fällt auf den Boden.
Ende der Geschichte